Warum „Wie kann ich meine Kursinhalte schützen?“ die falsche Frage ist

Immer wieder kommt in meiner Facebook-Gruppe die Frage hoch „Wie kann ich dafür sorgen, dass meine kostenpflichtigen Onlinekurs-Inhalte nicht einfach weitergegeben werden?“. Meist wird diese Frage von denen gestellt, die noch ganz am Anfang stehen mit ihrem Onlinekurs, manchmal sogar, noch bevor ein Kurskonzept steht. Aus meiner Sicht – und meist ist das auch die Richtung, in die die Diskussion dann geht – ist das die falsche Frage. Jedenfalls dann, wenn es dir doch eigentlich darum geht, erfüllt und erfolgreich mit deinem Kurs zu sein.

Bei Harry Potter gibt es ja die ‚Karte des Herumtreibers‘. Diese Karte ist so verzaubert, dass nur derjenige, der rechtmäßig sein Besitzer ist, auf dieser Karte überhaupt etwas sieht.

Und jetzt stell‘ dir eine Welt vor, in der die Computer und andere Endgeräte in der Lage sind, zu erfassen, ob jemand wirklich ehrlich ist – z.B. anhand von Hautwiderstand, Schweissproduktion und Augenliderbewegungen. Wenn die Messung ergibt, dass ein Zugang nicht rechtmäßig erworben wurde, werden dann die Seiten eines Kurses gesperrt bzw. Videos und Audios unabspielbar….

So eine Art „Lügendetektor“ in jedem Privathaushalt wäre ja die Basis für die Technologie, die es bräuchte, um Onlinekurs-Inhalte wirksam zu schützen! Und auch wenn das vielleicht mal irgendwann Realität wird – davon sind wir zum Glück noch weit entfernt. Ich persönlich finde die Vorstellung gruselig.

Inhalte schützen – was technisch möglich ist

Natürlich ist es sinnvoll, deine Kursinhalte exklusiv für deine Käufer zugänglich zu machen, idealerweise über eine Kursplattform, die einen Benutzernamen und ein Login vergibt. Also, du solltest verhindern, dass deine Käufer einfach einen Link teilen können, der einen kompletten Zugang zum Kurs ermöglicht.

Weiterhin ist es möglich

  • Videos bspw. bei Vimeo nur auf bestimmten Domain einbettbar zu machen
  • PDF-Dokumente oder einzelne Webseiten mit einem zusätzlichen Passwort zu versehen, das Teilnehmern dann mitgeteilt werden muss
  • Bei manchen Kursplattformen kann auch eingestellt werden, mit wie vielen verschiedenen IP-Adressen man sich als Benutzer einloggen darf (Digimember z.B.)
  • Die Anzahl der erlaubten Downloads zu begrenzen (z.B. über den Digistore Tresor)
  • … und bestimmt gibt es noch ein paar mehr technische Hacks.

Ja, das wäre alles technisch möglich. Aber: Es macht auch den Prozess für deine zahlenden Kunden unkomfortabler.

Vor allem aber finde ich dein Mindset wichtig bei dieser Frage, denn:

Die Energie folgt immer deiner Aufmerksamkeit! Worauf du deinen mentalen Fokus richtest, das verstärkst du.

Wenn du deinen Fokus auf die wenigen Unehrlichen richtest…

… dann ziehst du damit automatisch Energie – und Liebe – von deinen zahlenden und potenziellen Kunden ab.

Dazu ist mir ein Bild eingefallen, das das verdeutlicht:

Stell‘ dir vor, du stehst mit einem Stand auf dem Flohmarkt. Du hast viele schöne Sachen anzubieten und startest fröhlich in den Verkaufstag. Nach einer Weile wird dir bewusst, dass jemand die hübsche Vase geklaut haben muss, die du für 4 Euro verkaufen wolltest und auch ein Gürtel ist verschwunden.

Du ärgerst dich verständlicherweise und beschließt: „Das passiert mir nicht wieder!“. Jetzt sicherst du alle Teile mit einer Schur am Tisch, die du erst entfernst, wenn jemand bezahlt hat. Und passt vor allem höllisch auf, dass keiner deiner Standbesucher etwas in seiner Tasche verschwinden lässt und schaust jeden misstrauisch an…

Sehr menschlich und sehr verständlich, aber ich glaube, es wird deutlich, wie sehr dieser ängstliche Fokus auf ehrliche Interessenten und Käufer wirken würde, oder?

Das Alternativ-Szenario: Nach dem bemerkten Diebstahl atmest du ein paar mal tief durch, telefonierst vielleicht kurz mit einem Freund und lässt deine Wut raus. Danach fokussierst du dich erst recht darauf, mehr Interessenten anzulocken und tollen Service für deine ehrlichen Käufer zu bieten. Du drehst ansprechend Musik auf, lächelst die Menschen einladend an, hältst wertschätzend ein paar deiner Teile hoch und nennst den Preis, bietest Käufern zusätzlich eine Praline an oder ein zweites Teil zum halben Preis oder andere Maßnahmen, die die positive Energie verstärken…

In welchem der beiden Szenarien hättest du unter’m Strich am Ende des Tages mehr Einnahmen (und mehr Freude)?

Okay, nicht jeder mag Flohmarkt. Aber ich hoffe, dass durch dieses Beispiel, wo Käufer und Verkäufer sich direkt begegnen, deutlich wird, was ich damit meine, wenn ich sage: Dein Fokus bestimmt, was du anziehst.

Was du dich also besser fragen solltest

Solange du gut verkaufst, immer wieder neue Interessenten von dir angezogen werden und deine bisherigen Käufer zufrieden dein Produkt weiterempfehlen, brauchst du dich nicht vor einigen unehrlichen Onlinekurs-Käufern zu fürchten!

Frage dich also lieber „Wie kann ich meinen Kunden und Interessenten noch besser Nutzen stiften?“ und „Wie kann ich meinen Kurs bekannter machen?“. Fokussiere dich auf die Ehrlichen, gib‘ ihnen mehr von dem, was sie brauchen und wollen – und du wirst nur noch ein mitleidiges Schulternzucken für die Unehrlichen brauchen.

Du wirst nicht verhindern können, dass einzelne Teilnehmer deinen Kurs als Ganzes (Zugangsdaten) oder einzelne Medien daraus an Bekannte und Freunde weitergeben! Das ist so. Vielleicht teilen manche sich sogar die Kosten und nutzen den Kurs gemeinsam.

Hast du dadurch weniger?

Nur dann, wenn dich solche Vorfälle dazu bringen, emotional zu reagieren und dadurch deinen Fokus zu verschieben!

Meist hätten die, die den Kurs auf diese Weise ‚geschenkt‘ (oder zum halben Preis) bekommen, ihn sowieso nicht zum vollen Preis erworben. Außerdem werden diese ‚Beschenkten‘ weniger Ergebnisse erzielen, denn der Preis eines Kurses ist immer Teil seines Nutzens: Dadurch, dass deine Kunden ihn zahlen, drücken sie sich selbst gegenüber ihren festen Vorsatz aus und committen sich dadurch auf die anstehenden Aufgaben.

Also, wenn dich diese Frage nach dem Schutz deiner Inhalte beschäftigt, hier meine Botschaften:

  1. Mache dir klar, dass wir als freiheitsliebende Individuen nicht wirklich eine Überwachungstechnologie wollen, die nötig wäre, um deine Kursinhalte wirkungsvoll nur noch den rechtmäßigen Käufern zugänglich zu machen
  2. Sorge dafür, dass deine Emotionen und dein Ärger über unehrliche Käufer nicht dein Wachstum verhindern – indem du nach kurzem Aufwallen der Emotionen deine Energie wieder konstruktiv darauf ausrichtest, neue Käufer zu gewinnen und Käufer glücklich zu machen
  3. Lerne, Vertrauen zu haben. Das ist vielleicht eine der wichtigsten Lektionen im Leben überhaupt – ins Leben und seinen Fluß zu vertrauen. Und sieh‘ dieses Thema als wunderbares Lernfeld dafür.

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Herzliche Grüße

Marit Alke

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