Der Halbsatz, der Sie garantiert am Vorankommen hindert

Internet Marketing Hürden

Weg vom reinen Tausch Zeit gegen Geld: Das Internet bietet viele Möglichkeiten für Coaches, Trainer und Berater, ihr Wissen und Know-how auch in einer anderen Form als bisher anzubieten. Wollen Sie dieses Jahr damit starten oder Ihr Business weiter in diese Richtung entwickeln? Dann sollten Sie folgenden Halbsatz vermeiden, der absolut fatal ist, was das Vorankommen angeht. Ich zeige natürlich auch, wie Sie diese Hürde überwinden können.

Wenn Sie zukünftig digitale Produkte oder online-gestützte Programme entwickeln und vermarkten wollen, brauchen Sie „Internet-Marketing“: Sie brauchen einen gänzlich anderen Marketingprozess als den, mit dem Sie in den letzten Jahren Ihre Coachingkunden oder Seminarteilnehmer gewonnen haben. Deswegen ist es nur folgerichtig, dass Sie von Internet-Marketern lernen wollen, wie das geht.

Diese zeigen Ihnen ausgefeilte Strategien und Taktiken, geben Geheimtipps, Checklisten und Insiderwissen. Vor allem aber werden Sie als potenzieller Kunde selbst durch so einen „perfekten Marketingprozess“ gelotst:

Eine nach allen Regeln der Kunst gestaltete Seite mit Video und Co. führt Sie zu einem E-Mail-Optin-Formular. Sie tragen Ihre E-Mail ein und erhalten fortan eine Reihe durchdachter E-Mails (immer mit mehrfacher Möglichkeit, den entsprechenden Link zu klicken und natürlich – nicht zu vergessen – dem unentbehrlichen P.S. ;) ).
Sie nehmen an einem Webinar teil, in dem Ihnen z.B. ein „Turbo für Ihre Neukundengewinnung“ schmackhaft gemacht wird. Und Sie bekommen noch einen Bonus dazu und eine Deadline bis heute Nacht, 23.59 Uhr… Andere Teilnehmer bombardieren den Referenten mit Fragen und scheinen alle schon gebucht zu  haben.
Sie gelangen auf eine ebenfalls nach allen Regeln der Kunst gestaltete Verkaufsseite, auf der der „reguläre“ Preis zu sehen ist (während Sie als Webinar-Teilnehmer ja exklusiv den Supersonderpreis erhalten) – und es zuckt Ihr Finger schon fast auf dem „Jetzt kaufen“ Button. Doch in letzter Minute überlegen Sie es sich und schlafen nochmal eine Nacht drüber…

„Ach, so geht das! Das kann ich doch auch!“

Am nächsten Morgen sieht die Welt schon wieder ganz anders aus – und das Produkt ist in weite Ferne gerückt. Aber kurz gezuckt haben Sie doch – und der Prozess war wirklich toll gemacht! Es scheint ja zu funktionieren – also muss man diese Strategie doch auch auf das eigene Business anwenden können.

Das können Sie auch. Doch, das Nacheifern dieser ganzen Techniken, Strategien und Taktiken hat auch einen großen Nachteil. Es kann dazu führen, dass der Halbsatz

… ich muss erst noch …

Sie massiv daran hindert, aktiv zu werden!

Denn auf einmal gibt es noch unendlich viel zu tun, viel Neues zu lernen, sich in viele Tools und Techniken einzuarbeiten und viel „Content“ zu produzieren, bevor Sie Ihren Kunden und Interessenten Gutes tun können.

Hier ein paar beliebte „Ich-muss-erst-noch“-Sätze:

Ich kann jetzt noch keine Webinare halten, ich muss erst noch ein kostenloses Give-Away erstellen, um die E-Mail-Adressen in meine Liste zu kriegen.

Ich kann jetzt noch nicht mit meinem Blog starten, ich muss erst noch ein Logo entwickeln, Fotos von mir machen lassen und vor allem: mir über die Marketing-Strategie klar werden, die ich mit dem Blog verfolge.

Ich kann noch keinen Vortrag zu dem Thema halten, ich muss erst noch vorher meine Webseite gründlich überarbeiten.

Ich kann jetzt noch keinen Online-Kurs entwickeln, ich muss erst noch lernen, wie ich den dann überhaupt vermarktet bekomme. Dafür muss ich erst noch den 18-teiligen Video-Kurs durcharbeiten, den ich neulich mal gekauft habe.

Ich kann noch nicht das Portal xy nutzen, um meine Inhalte dort zu verbreiten, ich muss erst noch mein Profil richtig einrichten.

Ich kann jetzt noch kein E-Book erstellen, ich muss erst noch ein Folge-Angebot entwickeln, damit sich der Aufwand dann auch wirklich lohnt.

… usw.

Wenn man das Prinzip des „Marketing-Trichters“ vor Augen hat, dann muss scheinbar alles, was man in Sachen Sichtbarkeit tut, zusammenpassen und ineinandergreifen.

Im schlimmsten Fall sorgt das dafür, dass Sie wie gelähmt sind, während Sie auf das perfekte Zeitfenster warten, bis Sie endlich mit Muße Ihr E-Mail-Formular einrichten können, dann die Muße haben, ein kostenloses Give-Away fertig zu stellen usw.

Sie haben bestimmt auch Ihren ganz persönlichen „Ich-muss-erst-noch“-Satz, oder?

Woran liegt das? Der Fokus macht den Unterschied

Warum ist das so? Nun, ich habe da so eine Theorie – korrigieren Sie mich, wenn Sie das anders sehen. Es ist absolut richtig, wir – ich nenne das jetzt mal so – „Überzeugungs-Unternehmer“ müssen lernen, effektives Marketing für unsere Produkte zu betreiben. Und das Internet dafür wirkungsvoll zu nutzen. Ich bin auch absolut davon überzeugt, dass wir so einen „Verkaufstrichter“, so einen durchdachten Marketing-Prozess, brauchen, sonst funktioniert das langfristig nicht mit der gewünschten Unabhängigkeit, die das veränderte Geschäftsmodell uns bringen soll.

Aber „Überzeugungs-Unternehmer“ (fällt Ihnen ein besserer Begriff ein?) haben eben nicht die gleichen Motive, wie viele „Internet-Unternehmer“. Wenn Sie Trainer, Coach oder Berater sind, dann haben Sie sich selbständig gemacht, weil Sie eine Mission haben, eine Überzeugung und in letzter Instanz Menschen in irgendeiner Weise beim Vorankommen helfen wollen. Ich bin ziemlich sicher, dass nicht der Wunsch nach mehr Geld Ihr Antrieb war – und auch nicht die Faszination für Technik und Zahlen. Stimmt’s?

Wir brauchen Internet-Marketing für „Überzeugungs-Unternehmer“

Worauf ich hinauswill? Ich glaube, dass Überzeugungs-Unternehmer zwar eine durchdachte Internet-Marketing-Strategie brauchen – aber mit einer anderen Herangehensweise.

Die „perfekten Marketing-Prozesse“, von denen ich eingangs sprach, sind ja nicht über Nacht entstanden – sondern es wurde sicher in wochenlanger Arbeit daran gefeilt, geschraubt, gestestet und optimiert. Der Fokus der Internet-Unternehmer liegt in den meisten Fällen vorrangig auf dem Verkaufen und auf dem Erreichen bestimmter quantitativer Ziele – das motiviert sie und treibt dazu an, nicht eher zu ruhen als bis der Prozess endlich perfekt steht.

Der Fokus von Überzeugungs-Unternehmern dagegen liegt darauf, anderen Menschen voranzuhelfen. Sie haben eine Botschaft, es geht Ihnen um ein bestimmtes Thema, sie sind inhaltlich motiviert. Sie sind fasziniert von bestimmten Zusammenhängen und haben Know-how, mit dem Sie bestimmte Probleme lösen können.

(Wobei hier die Grenzen zwischen den zwei Sorten Unternehmern natürlich nicht trennscharf gezogen werden können.)

Was hilft gegen den lähmenden Halbsatz „Ich muss erst noch…“?

Den Fokus verändern bzw. sich wieder zurückzubesinnen auf die eigenen Motive, das ist es auch, was ich als Gegenmittel gegen den lähmenden Halbsatz empfehlen möchte:

Fokussieren Sie sich beim Marketing lieber auf den Nutzen für Ihre Interessenten und auf das Gute, das Sie in die Welt bringen möchten – und nicht in erster Linie auf Taktiken, Strategien, Tools und Co.

Konzentrieren Sie sich einfach darauf, Ihrer Fangemeinde einen Mehrwert zu bieten – z.B. durch kostenlose Webinare, durch einen von Herzen kommenden Newsletter, durch Vorträge, Blogbeiträge oder ähnliches. Egal, wenn dann vielleicht nicht das Optimum herausgeholt wird. Nach meiner Erfahrung ergeben sich auch aus solchen „absichtslosen“ Marketingaktionen viele tolle Möglichkeiten – die man eben vorher nicht planen kann.

Nach und nach die Bausteine für den „perfekten Marketingprozess“ zusammentragen

Nach und nach kommen so die Puzzlestücke zusammen, die Sie für Ihren Marketing-Prozess brauchen. Mit Inhalten, hinter denen Sie wirklich stehen und die Sie nicht schnell mal eben aus dem Ärmel gezaubert haben, weil Sie unbedingt ein kostenloses Give-Away brauchten, mit dem Sie Menschen in Ihre E-Mail-Liste locken wollen.

Das ist dann für mich Internet-Marketing mit Substanz und echtem Win-win.

Und wenn Sie diese Puzzlestücke parat haben, dann ist es auch nicht mehr schwierig, diese so anzuordnen, dass Ihr Marketingprozess automatisiert ablaufen kann und Ihnen kontinuierlich neue Kunden und Käufer Ihrer Produkte beschert.

An diesem Punkt im Prozess könnten Sie sich dann auch Hilfe holen von jemandem, der Spaß an Technik hat und Ihnen diese Systeme aufsetzt. Aber zuerst kommt immer der Nutzen!

So war das bei mir: Die Bausteine einer „richtigen“ Marketing-Kampagne Schritt-für-schritt zusammentragen

Anfang 2013 ging mir dieser Halbsatz bestimmt fünfmal am Tag durch den Kopf. Ich hatte mir in meiner Elternzeit jede Menge Internet-Marketing-Wissen angeeignet und abgeguckt – und jetzt wollte ich das für mich passend umsetzen. Auch wie man einen Blog startet hatte ich schon ausführlich studiert.

Aber starten wollte ich noch nicht – weil…. Sie wissen schon ;) – Ich musste erst noch…

Aber weil ich ein ungeduldiger Mensch bin, hatte ich dann schließlich doch keine Lust zu warten, bis ich alles parat hatte – und so startete ich einen Monat später „einfach so“ mit diesem Blog. Das hier war mein erster Artikel, an dem ich zuvor bestimmt vier Wochen mit einer Freundin gefeilt habe: Über den großen Markt der Nicht-Coachingkunden – und wie Sie diese große Quelle für Neukunden nutzen können.

Mir war nicht mal klar, was ich möglichen Kunden anbieten wollte! Vorher war ich ja Beraterin hauptsächlich für Unternehmen gewesen – was konnte ich Einzelunternehmern anbieten? Ich hatte einfach nur einige Zusammenhänge verstanden und dieses Wissen wollte in die Welt.

Und – um die lange Geschichte kurz zu machen – jetzt, ein Jahr später (und ich arbeite „teilzeit“ wegen der Kids, das ginge also auch schneller) habe ich fast alle Komponenten zusammen, die ich für eine richtige Internet-Marketing-Kampagne brauche:

  • Ich habe einen nennenswert große „E-Mail-Liste“ – so würden es die Internet-Marketer nennen. Nein, ich formuliere es so: Ich habe eine Community von Gleichgesinnten und Menschen aufgebaut, die ebenso an dem Thema interessiert sind wie ich, und die ich gut per E-Mail über neue Angebote informieren kann.
  • Mittlerweile gibt es sogar ein Produkt, das gerade im Entstehen ist während ich es das erste Mal anbiete: www.mein-erstes-coachingprogramm.de.
  • Ich habe im Frühjahr 2013 „einfach so“, ohne Ziel, einfach nur, um in Kontakt mit meiner Zielgruppe zu kommen und meine Gedanken mal in eine Form zu gießen, eine Webinar-Reihe angeboten. Viele waren irritiert, dass ich soviel Wissen kostenlos rausgebe, ohne direkt etwas zu verkaufen zu haben.
  • Von der kostenlosen, absichtsfreien Webinar-Reihe habe ich gleich mehrfach profitiert: Ich war besser sichtbar und habe neue Leser für meinen Blog gewonnen, meine „Liste“ hatte sich mit ersten Interessenten gefüllt und ich bin dadurch in Kontakt mit vielen tollen Leuten gekommen. Außerdem gab es offensichtlich jede Menge „Fans„, die dann im Herbst, als ich die Reihe wieder anbot, die Webinare weiterempfohlen haben. Danke dafür! :)
  • Auch ein kostenloses Give-Away (zum Listen-Ausbau) ist jetzt in erreichbarer Nähe: Durch die Webinare sind jetzt PowerPoint-Folien fertig und auch der Text dazu gut eingeübt. Daraus werde ich Videos machen, die dann wunderbar als Türöffner für neue Besucher meiner Webseite dienen können.
    Ein solches Give-Away, mit so viel Substanz, das hätte ich mir vor meinem Blogstart niemals aus den Rippen schneiden können – undenkbar! Die Inhalte und der rote Faden der Botschaft, das ist erst im Rahmen der Interaktion mit Ihnen überhaupt zustande gekommen. Durch das laute Aussprechen und das Diskutieren und Beantworten von Fragen bekam ich auch viel mehr Klarheit.
  • So, und dann brauche ich jetzt noch zwei Dinge, um den Marketingprozess von losem Interesse ( = Eintrag in E-Mail-Liste) bis hin zu meiner Verkaufsseite mein-erstes-coachingprogramm.de zu automatisieren:
    • Einen Newsletter-Autoresponder, also eine Abfolge von hilfreichen E-Mails, die auf die kostenlose Videoreihe (entstanden aus den Webinaren) aufbauen und letztlich zur Verkaufsseite führen.
    • Einen Bezahlanbieter und ein System, um meine geschützten Modul-Inhalte und die Lernplattform für zahlende Kunden freizuschalten. Da arbeite ich mich gerade ein.

Puzzlestücke Internet-Marketing

Es ist immer noch ein Stück Weges zu gehen, ja. Aber ich glaube, an meinem Beispiel wird gut deutlich, wie Sie sich mit einem klaren Fokus auf Substanz und Mehrwert nach und nach an eine stimmige Internet-Marketing-Strategie heranarbeiten. Das Schielen auf Zahlen, Statistiken und perfektes Design – das funktioniert doch für uns nicht!

Daher: Schmeißen Sie doch öfter mal den Halbsatz „… ich muss erst noch…“ über Bord und machen Sie einfach! Sie werden sehen: Auch ohne in Zahlen messbare Ziele kommen gute Ergebnisse dabei heraus!

Übrigens: Zu diesem Artikel wurde ich inspiriert durch den „Ich muss erst noch… „-Halbsatz eines Kollegen ;) – und auch durch diese Podcast-Episode von Markus Cerenak: Hör auf, in Zahlen und Taktiken zu denken

Was brauchen Sie noch, um Ihr Business in 2014 mehr zu einem (stimmigen) Online-Business zu machen? Wo hakt es und mit welchen Infos kann ich dabei noch unterstützen? Lassen Sie es mich gerne wissen und über einen Kommentar oder per persönlicher Mail an info(ät)coachigprodukte-entwickeln.de an Ihren Fragen teilhaben!

Ich freue mich schon auf ein sicher wieder spannendes Jahr 2014 – das sich genausowenig planen lassen wird, wie 2013 sich planen ließ :) !

Herzliche Grüße

Marit Alke

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