Einen automatisierten Online-Kurs erstellen [Teil 1]: Anforderungen an die technische Lösung („Lernplattform“ o.ä.)

Einen automatisierten Online-Kurs erstellen [Teil 1]

Ein Online-Kurs ist nach meiner Definition ein Selbstlernkurs, der vom Teilnehmer jederzeit erworben und in dessen eigenem Tempo durchlaufen werden kann. So ein automatisiertes „digitales Produkt“, bei dem Sie als Anbieter nicht anwesend sein müssen, während der Teilnehmer mit Hilfe Ihrer Lernmedien vorankommt, ist ein attraktives Win-win-Angebot: Der Teilnehmer hat die Möglichkeit, zu einem günstigen Preis von ihrem Know-how und Ihrem bewährten Prozess zu profitieren – und Sie „verdienen Geld im Schlaf“. Naja, so ungefähr… Jedenfalls ist das für mich der nächste Schritt – und daher mache ich mir Gedanken über mögliche technische Lösungen. 

„Schöner Wohnen“ für Ihre Lernmedien, Arbeitsblätter und den Teilnehmer-Meetingraum: Die Lernplattform

Lernunterlagen per Mail verschicken – okay, das können Sie machen. Und ich ermutige ja sogar dazu, es zu machen, wenn alle technischen Lösungen zunächst eine zu große Hürde sind. Auch E-Mail-Kurse bieten einen Mehrwert und Ihnen die Möglichkeit, einen ersten Schritt rauszukommen aus dem 1-zu-1 Beratungs-Geschäft. Aber der Weisheit letzter Schluss ist das nicht. Sie werden die fehlende äußere, moderne Form, die Menschen mittlerweile im Internet gewohnt sind, wett machen müssen durch interaktive Webinare, einen besonders lebhaften Austausch im Forum, gut aufbereitete Videos etc. (Ausnahmen bestätigen die Regel).

Damit Ihre Kurse zeitgemäß als Selbstlernkurs verkauft werden können, brauchen Ihre Materialien eine schöne Umgebung, einen Raum, in dem sie gut zur Geltung kommen, Ihrem Teilnehmer schnelle Orientierung im Lernstoff ermöglichen und auch Motivation erzeugen durch Bilder, Farben und eine aufgeräumte Optik.

Außerdem wollen Sie womöglich auf dieser Plattform auch einen Austausch der Teilnehmer untereinander ermöglichen und fördern.

Die Rede ist von einer „Lernplattform„. Und ich sage es Innen gleich vorab: Die optimale Lösung habe ich auf dem deutschsprachigen Markt noch nicht gefunden! Wir – als gerade erst aufstrebende Gruppe derjenigen – Coaches, Trainer, Berater, die sich mit unseren Produkten an Selbstzahler oder an kleinere Unternehmen richten, haben ganz andere Anforderungen an eine Lernplattform als ein universitärer Anbieter oder ein größeres Unternehmen.

Daher dieser Artikel, in dem ich zunächst mit Ihnen gemeinsam abwägen möchte, was wir eigentlich brauchen, damit unsere Kurse und Programme automatisiert und mit gutem Gefühl angeboten werden können.

Der große Unterschied zu einem betreuten Coachingprogramm: Automatisierte Online-Bezahlung

Wie viele meiner Stammleser wissen, bin ich ein großer Freund davon, zunächst mit einem betreuten Coachingprogramm zu starten, bevor man sich an die weitere Automatisierung des eigenen Business macht und reine Selbstlernkurse anbietet. Der Grund ist, dass zumindest bei den eher werteorientierten Coaches und Beratern es ein innerer Paradigmenwechsel ist, sich überhaupt nur teilweise aus dem Entwicklungsprozess der Teilnehmer rauszuziehen. (Siehe dazu auch mein letzter Artikel Über das (un)gute Gefühl, in seinem eigenen Coachingprogramm nicht gebraucht zu werden oder ein etwas älterer Artikel dazu: Hürden überwinden und an Herausforderungen wachsen)

Auch für ein betreutes Coachingprogramm, bei dem Sie in der einen oder anderen Form persönlich präsent sind, brauchen Sie in den meisten Fällen eine Lernplattform. Aber Sie können sich auch kreativ behelfen und erstmal ohne starten, wie z.B. mit einem E-Mail-Kurs + freigegebenem Dropbox-Ordner. Bei einem nicht-betreuten Selbstlernkurs / Online-Kurs geht das nicht!

Der große Sprung vorwärts ist es daher, eine automatisierte Zahlungsabwicklung inklusive reibungslosem Zugang zum Kurs und den gut geschützten Lerninhalten hinzubekommen.

Die Anforderungen an die Technik, um einen Online-Kurs mit automatisierter Bezahlung erstellen zu können

Hier mal meine subjektiv geprägte Liste an Anforderungen an eine technische Lösung. Weiter unten können Sie mit abstimmen, welche Aspekte davon für Sie persönlich besonders relevant sind.

Was für eine „Lernplattform“ brauchen wir?

  • Für die Automatisierung vor allem eine Möglichkeit, Kunden über das Internet über die hierzulande gängigen Bezahlmöglichkeiten bezahlen zu lassen und bei erfolgreicher Zahlung sofort mit dem Zugang zu unserem exklusiven Lerninhalten zu versorgen.
  • Nicht ausreichen tut es, wenn der Kunde nach dem Bezahlvorgang einen geschützten Download-Link erhält – denn es handelt sich ja um ein mehrteiliges Produkt (statt um einen einmaligen Download), dessen Inhalte in einer gewissen hierarchischen Logik geordnet ausgeliefert werden sollen.
  • Wir brauchen innerhalb der Lernplattform die Möglichkeit, unsere Kursinhalte zu gliedern und zu sortieren, um den Teilnehmern so gut wie möglich eine Orientierung zu ermöglichen.
  • Optimal ist es, wenn der Teilnehmer selbst bei jedem Besuch seinen Fortschritt im Kurs nachvollziehen kann und er sehen kann, welche Lektionen schon abgehakt und welche noch offen sind (gerade in komplexeren Kursen).
  • In den wenigsten Fällen handelt es sich bei Ihren Inhalten um reinen Text, sondern eher um einen Multimedia-Mix. Diese z.B. Audios oder Videos sollten eingebettet werden können, so dass der Teilnehmer nicht über einen Link die Lernplattform verlassen und später zurückkehren muss.
  • Das Design sollte anpassbar sein, so dass es vom „look and feel“ gut zu unserem Corporate Design passt. „Schöner Wohnen“ eben ;)
  • Es sollte die Möglichkeit geben, einen interaktiven Austausch zu schaffen, z.B. über ein Forum. Viele Anbieter arbeiten mittlerweile mit geschlossenen Facebook-Gruppen, aber für diejenigen, die nicht bei Facebook sind, sollte es möglichst auch eine Kommunikationsplattform geben.
  • Die Mindestanforderung ist es, dass ein Teilnehmer sich per Support-Formular direkt an den Trainer wenden kann.
  • Dann die Kosten der Plattform / der technischen Lösung: Sie sollen natürlich in einem guten Verhältnis zum Nutzen stehen. Das Preismodell des Anbieters sollte flexibel sein und berücksichtigen, dass wir Einzelunternehmer in der Regel nicht sofort von hunderten Teilnehmern für unsere Online-Kurse ausgehen, sondern langsam hineinwachsen.

Weitere Aspekte, die zu klären sind:

  • Ist es wichtig, die volle Kontrolle über die eigenen Inhalte zu behalten (sprich: diese auf einem eigenen Webseite liegen zu haben)?
  • Wie wichtig ist der deutsche Datenschutz? Viele Lösungen werden von amerikanischen Unternehmen angeboten.
  • Welche Bezahlmöglichkeiten müssen, welche sollten besser zur Verfügung stehen? Sind die amerikanischen Standard-Methoden Paypal und Kreditkarte ausreichend?

Was wir meist eher nicht brauchen:

  • Was wir meist nicht brauchen, sind technische Spielereien, die sich in Lernmanagement-Systemen für Unternehmen oft finden lassen: Dort gibt es z.B. oft die Möglichkeit, Quizzes zu erstellen und diese an den Trainer einzusenden oder aus Powerpoint-Präsentationen wirbelnde Kunstwerke zu machen.
  • Auch nicht nötig ist eine Möglichkeit, Noten an Teilnehmer zu vergeben und diese irgendwo nachvollziehbar zu speichern.
  • Ein „Teilnehmer-Tracking“ ist zwar schön, aber es werden nur basale Funktionen benötigt. Mir reicht es aus zu wissen, wo die Teilnehmer in den Lektionen in etwa stehen – ich muss nicht wissen, welches Arbeitsblatt wie oft heruntergeladen wurde etc.
  • Es geht es auch nicht darum, dass mehrere Trainer verschiedene Zugangsrechte haben (wie z.B. „Super-Adminstrator“, „Kurs-Adminstrator“, „Tutor“ etc.) – was in Unternehmen, Akademien etc. meist eine sehr wichtige Anforderung ist.

Natürlich habe ich ein paar Vorschläge, wie Sie einen automatisierten Kurs aufsetzen können. Alle mit Vor- und Nachteilen und es ist sicher nicht der volle Rundumblick auf alles, was am Markt möglich ist. Mir war es wichtig, einmal ungetrübt systematisch über die Anforderungen zu resümieren und dann erst Tools und Anbieter zu nennen, die mir bekannt sind.

In einem meiner nächsten Artikel geht es dann weiter mit diesem Thema…

Jetzt freue ich mich erstmal auf den Austausch mit Ihnen! :)

Herzliche Grüße

Marit Alke

 

12 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Vielen Dank, Marit. Wieder einmal ein sehr wertvoller Artikel von dir. Ich erlebe dich gerade als eine sehr große und wertvolle Unterstützerin, während ich in meinem Business von einem Dreirad auf ein Motorrad umsteige :-). Deinen Kurs kann ich wärmstens empfehlen und verleihe gerne ***** (5 Sterne).
    Herzliche Grüße aus Lanzarote Bianka

    • Hallo Bianka,

      Dankeschön für das Lob *erröt* *freu* :) :).

      Wie findest du die „Lernplattform“ / den Teilnehmerbereich in meinem Programm? Welche Schlüsse hast du für dich und deine Angebote gezogen – was wirst du übernehmen, was anders machen?

      Lieber Gruß
      Marit

  2. Hallo Marit,

    ich bin auch der Meinung, dass sich der Markt etwas schneller bewegen sollte, um schöne Lösungen für unsere Lernlust bereitzustellen. Ich hatte mich jetzt mal bei Udemy (https://www.udemy.com/) eingetragen, weil die Plattform frisch und jung wirkt, aber schon die Willkommens-E-Mails danach haben meine Begeisterung stark gebremst.

    Also liebe Lösungsanbieter, wir brauchen dringend intelligente und flexible Plattformen, die Freude machen, möglichst mobil zugänglich sind, übersichtliche Foren für Erfahrungsaustausch anbieten und Lernmaterialen aller Art bereitstellen (Videos, Audios, PDF usw.). Das Ganze zu einem attraktiven kleinen Preis, hübsch übersichtlich, automatisierte Abrechnungen und noch ein Affiliateprogramm dazu.

    Liebe Programmierer, das kann doch so schwer nicht sein, oder?
    Wir stehen in den Startlöchern und warten darauf, neue Lösungen zu testen, stimmts Marit?

    Viele Grüße von Sabine

    • Hallo Sabine,

      ja, das denke ich mir auch – dass das nicht so schwierig sein kann. Es ist ja gar nicht nötig, dass der Preis „klein“ ist, er sollte nur skalierbar sein, so dass auch Einsteiger langsam hineinwachsen können. Ich habe aber schon mit ein paar Leuten gesprochen, die sich mit solchen Programmiersachen auskennen und so ganz einfach ist es offenbar nicht. Es hängt eine große Datenbank hinter, die Daten sind sehr sensibel, es muss viel Support geleistet werden etc. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf bzw. bin ganz optimistisch. Im nächsten Artikel will ich auf solche „Mietlösungen“ eingehen und die vorstellen.

      Lieber Gruß
      Marit

  3. Hallo Frau Alke, wieder einmal für mich ein hochspannendes Thema. Ich bin Ihnen zur richtigen Zeit „begegnet“ ☺. Leider kann ich bei Ihrer Umfrage nichts anklicken. Weder im Safari-Browser noch mit dem Microsoft Explorer. Woran kann das liegen? Fragt Claudia Henrichs
    und freut sich auf die Fortsetzung Ihrs Blogs

    Ich schreibe einmal meine Antworten hier:
    Frage 1: Die ersten Beiden
    Frage 2: Antwort 1 und die Vorletzte (fehlende Zeit)
    Frage 3: die ersten 10 würde ich alle ankreuzen. Mit fremden Servern kann ich leben.

    • Hallo Frau Henrichs,

      herzlichen Dank für Ihren Kommentar und den wertvollen Hinweis. Ich hatte mich schon gewundert, warum sich bisher nur so wenig beteiligt haben. Der Grund war mal wieder ein nicht-entferntes Häkchen in den Plugin-Einstellungen, das dafür gesorgt hat, dass die Umfrage nach einem Tag wieder beendet war…

      Jetzt geht’s! Danke für Ihre manuell übermittelten Antworten. :)

      Herzliche Grüße
      Marit Alke

  4. Pingback: Einen automatisierten Online-Kurs erstellen [Teil 2]: Jigsawbox als mögliche Lösung (Demo-Kurs!) › coachingprodukte-entwickeln.de

  5. Pingback: Einen automatisierten Online-Kurs entwickeln [Teil 3]: Die eigene Wordpress-Seite nutzen › coachingprodukte-entwickeln.de

  6. Liebe Marit,

    auf dich ist einfach verlass! Als ich schon aufgeben wollte, weil ich einfach keine Ahnung habe wie man eine Onlinekurs in WordPress erstellt, fand Google ein wunderbares Webinar von dir und letztlich bin ich wieder bei dir auf deinem Blog gelandet. Ich habe jetzt endlich eine wunderbare Idee für einen Selbstlernkurs und möchte ihn nach und nach entwickeln. Mir war es wichtig von Anfang an zu wissen, wie das am Ende mit dem zur verfügung stellen ist. Super durchdachter 1. Teil! Bin gespannt auf die weiteren.

    Glg von Sissi

  7. Hallo Marit,

    Top-Thema und wirklich super gegliedert und erklärt. Bin hochbegeistert… wird sofort geteilt :)

    Viele Grüße,
    Marta

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