Wie Sie den perfekten einen wirklich hilfreichen Online-Kurs für Ihre Kunden erstellen

So erstellen Sie einen wirklich hilfreichen Online-Kurs für Ihre Kunden

Perfekt muss es bei mir nicht sein, das wissen Sie ja. ;) Aber wie gelingt es, einen wirklich hilfreichen und gut vermarktbaren Online-Kurs zu entwickeln? Ich war zu dieser Frage vor längerer Zeit auf einen Artikel gestoßen, der mir den entscheidenden Dreh gab. Die dort genannte Strategie habe ich mittlerweile selbst umgesetzt und kann nun von meinen Erfahrungen berichten – und noch einige Tipps hinzufügen.

Wer noch nie einen Kurs für seine Kunden erstellt hat, tut sich oft schwer damit, herauszufinden, was Teilnehmern wirklich weiterhelfen würde. Welcher Inhalt? In welcher Reihenfolge? Welche Arbeitsblätter und wie umfangreich? Wann ein Video? usw.

Wie kriegt man es hin, einen wirklich guten Kurs zu gestalten? Und wie findet man heraus, ob die eigene Idee für ein Kursangebot in der Zielgruppe überhaupt ankommt und es einen Markt dafür gibt?

Der richtige Dreh: Erst die Kunden, dann das Produkt

Den richtigen Dreh (oder das richtige „Mindset“) gab mir damals dieser sehr hilfreiche Artikel von Pat Flynn:

Pat Flynn Vorschau How to create the perfect online course

How to Create the Perfect Online Course for Your Audience

Er rät dort, mit einer kleinen Gruppe an Kunden zu starten „even before you have details about exactly what you’re going to teach“ – und nennt diverse Vorteile dieses Vorgehens. Ich würde nicht ganz so offenherzig an die Sache herangehen wie Pat Flynn es hier empfiehlt sondern rate immer dazu, Thema, Zielgruppe und das Problem das mit dem Kurs gelöst werden soll, vorab klar zu haben. Auch eine grobe Übersicht über die Lernschritte sollte im Kopf stehen.

Aber wenn über die Eckpfeiler Klarheit herrscht, dann geht es erstmal daran, (Pilot-)Kunden zu gewinnen – und zwar für eine betreute Variante des Kurses.

(Übrigens: Ich unterscheide zwischen einem Coachingprogramm, bei dem Teilnehmer von Ihnen in einem festen Zeitraum betreut werden und einem Online-Kurs, der – nach meiner Definition – unbetreut oder nur sehr rudimentär betreut abläuft und auch meist von jedem Teilnehmer jederzeit gestartet werden kann. Die Grenzen sind hier fliessend.)

Für mich war dieses Vorgehen sofort einleuchtend, denn wenn ich als Beraterin für Unternehmen arbeite, erstelle ich auch nie „ins Blaue hinein“ Inhalte und Konzepte – sondern steige immer erst in die Arbeit ein, wenn ich einen Auftrag habe.

Doch bei Angeboten, die sich an Selbstzahler richten, fühlt sich das gleiche Vorgehen aus unerfindlichen Gründen komisch an. Und: Ist es in der Realität wirklich so einfach, wie es sich in dem Artikel anhört?

Wie funktioniert das in der Praxis?

Mittlerweile habe ich die Strategie selbst getestet – und kann sagen:

Ja, genau mit dieser Strategie würde ich immer wieder an die Entwicklung eines Online-Kurses herangehen!

Das klappt wirklich. Ich gehe sogar soweit zu sagen: Ohne diese Strategie – erst der Auftrag, dann die Inhalte – gäbe es noch lange keinen Kurs von mir!

Aktuell betreue ich gerade meine 10 Pilot-Teilnehmer in „mein-erstes-coachingprogramm.de“ und mache alle zwei Wochen die neuen Module fertig. Da jedes Modul aus etlichen Lektionen besteht, viel Hirnschmalz drinsteckt und ich auch Videos und Audios produziere, wenn ich das für sinnvoll halte – ist das viiiel Arbeit!

In der „Modul-Woche“ geht nichts anderes. Alle Energie und Arbeitszeit fließt dann in das Modul. Das ist schon immer sehr einnehmend – die Arbeit am aktuellen Modul. (Deswegen gibt es momentan übrigens auch nur jede zweite Woche einen Blogartikel von mir ;) ).

Heute habe ich das letzte (!) Modul geplant und vorbereitet – und nehme das heute mal zum Anlass, über meine Erfahrungen zu berichten.

Was macht die Strategie „erst der Auftrag – dann das Produkt“ so wirkungsvoll?

Hier die Quintessenz meiner Erfahrungen:

  • Der erzwungene Fokus: Ich habe zahlende, erwartungsvolle (tolle) Kunden – die erwarten, dass ich pünktlich liefere. Punkt.
    Ich mit meiner aus der Studentenzeit tiefsitzenden Last-Minute-Mentalität brauche anscheinend immer noch diesen Druck, um produktiv zu arbeiten. ;)
  • Die Verbindung mit den Teilnehmern, das Gefühl für deren Fortschritt und für das, was die jetzt von mir brauchen. Das ist ein weiterer enorm wichtiger Punkt. Ich schreibe nicht „für irgendwen“ oder für einen „Avatar“ (eine ausgedachte Person), sondern ich habe Menschen vor meinem inneren Auge, während ich die Inhalte produziere. Ich fühle eine Verbindung und „spreche“ in meinen Lektionen gewissermaßen mit meinen Teilnehmern.
  • Das Feedback – direkt und indirekt. Vielleicht das wertvollste überhaupt ist, dass ich zeitnah eine Rückmeldung bekomme, wie das, was ich da so von mir gebe, bei meinen Teilnehmern ankommt. Das kann indirektes Feedback sein, indem ich z.B. in den Social Media sehe, wie die Teilnehmer meine Tipps umsetzen, es kann auch direkt durch eine Mail oder ähnliches sein. Vor allem aber bekomme ich ja durch die relativ enge Betreuung mit, wie gut sich meine Tipps, meine Umsetzungsaufgaben und vorgeschlagenen Strategien umsetzen lassen.
  • Die Vielfalt der Bedürfnisse in der Gruppe. Was sich zunächst anstrengend anhört – unterschiedliche Bedürfnisse im Blick behalten – ist für die Qualität meines Kurses Gold wert. Da ich schon beim Erstellen meiner Lektionen die verschiedenen Teilnehmer im Blick habe, ist mein Kurs viel vielschichtiger als er es wäre, wenn ich nur aus meiner persönlichen Warte heraus arbeiten würde.
  • Der sinnvolle Einsatz meiner Energie: Zu Beginn, als meine Begeisterung für mein Projekt am allergrößten war, habe ich mich auf meinen „Launch“ konzentriert, auf die Kundengewinnung. Jetzt ist die Energie wieder auf einem normalen Level und das Erstellen der Inhalt ist einfach normaler Alltag.
    Hätte ich es andersherum gemacht, wäre die Gefahr gewesen, dass die Haupt-Energie in die Produktentwicklung geflossen wäre – und jetzt nicht mehr genug Power da ist, um das Marketing für den Kurs anzuschieben.
  • Der Spaßfaktor. Es macht mir persönlich einfach um einiges mehr Spaß, direkt in der Interaktion mit Menschen zu sein und alles gemeinsam wachsen zu sehen, als monatelang vor mich hin zu schreiben und zu werkeln.
  • Und vor allem: Nach dem ersten Durchlauf meines Pilotprogramms habe ich richtig wertvolle, bleibende Werte geschaffen! Wow! Dieser Gedanke beflügelt mich immer wieder, wenn ich zwischendurch mal stöhne, weil so viel zu tun ist. Ja, ich habe einen wirklich wertvollen, großen, immer wieder vermarktbaren Kurs fertig erstellt. Was mir vor einem halben Jahr noch unerreichbar fern erschien, ist jetzt ganz nah. Denn mein Kurs ist ja nicht nur bald fertig – er ist auch erprobt und meine Teilnehmer melden zurück: „Es funktioniert! Deine Inhalte helfen mir.“.

Jetzt überschlage ich mich fast vor Begeisterung, oder?! :) :D

Klar, jetzt am Ende des ganzen Prozesses habe ich leicht reden…

Zwischendrin, besonders kurz vor und kurz nach Weihnachten war ich ganz schön platt – und meine Familie war nicht wirklich immer happy mit meiner Aussage „Ich muss noch an den Modulen arbeiten“.

Meine Learnings: Was mir geholfen hat und was ich nächstes Mal anders machen würde

Im Rückblick kann ich Ihnen noch ein paar Tipps mitgeben, die Pat Flynn in seinem Artikel so nicht erwähnt hat – weil er es ja auch selbst (zu dem Zeitpunkt) noch nie gemacht hatte:

  • Was es mir persönlich erleichtert hat, gleich beim Pilotdurchlauf mit verschiedenen Formaten und und Medien in meinem Programm zu jonglieren (von Lernvideos über Webinare, Lerntexte, Lernaudios, Arbeitsblätter, Forum etc.) ist sicherlich meine Vorerfahrung als „Expertin für onlingestützte Lernprozesse“.
    Ich habe schon in großen Blended-Learning-Projekten in Unternehmen mitgewirkt und bin daher geübt in vielen Dingen bzw. habe keine Scheu davor.
    –> Wenn Sie sich noch nicht so sicher fühlen, sollten Sie beim Pilotdurchlauf alles so simpel wie möglich halten. Wenn Sie sich z.B. im Webinarraum noch nicht sicher fühlen, nutzen Sie Telefonkonferenzen. Wenn Sie lieber erstmal ein Einzelprogramm anbieten wollen, ist das besser als sich auf gleich zwei Ebenen auf Neuland zu begeben (neue Medien und das erste Mal eine Gruppe steuern). Wenn Sie Videos zu schwierig finden, wagen Sie sich erstmal an Audios heran usw.
  • Was es mir noch erleichtert hat, ist, dass ich – ungeplant – zwei tolle zusätzliche Sparringspartner im Tausch gegen den Zugang zu den Inhalten gewonnen habe. Hier habe ich vor allem jemanden, mit dem ich vorab meine Pläne für das nächste Modul besprechen konnte, was enorm hilfreich war.
    Auch dass diese beiden „Betatester“ nochmal sehr genau auf Formulierungen und Feinheiten achten – im Sinne eines Lektorats – tut der Qualität meines Programms gut. Denn so ein detailliertes Feedback kann ich von meinen zahlenden Kunden nicht erwarten. So ein Tausch „Inhalte gegen kritisches Lektorat“ kann ich also nur empfehlen, das ist win-win.
  • Ich hab es mir nicht leicht gemacht, indem ich gleich mit meinem „Master-Produkt“ auf den Markt gegangen bin, das sich aufgrund der Komplexität nur an eine ausgewählte, fortgeschrittene Teilnehmerschaft richtet.
    Für mich persönlich war und ist das stimmig, aber wenn ich Einsteigern einen Rat geben würde, dann dieser: Starten Sie lieber mit einem inhaltlich abgegrenzten Programm. Das erleichtert sicher vieles (und würde auch dafür sorgen, dass die „Modul-Wochen“ nicht so extrem anstrengend sind).
  • Was ich beim nächsten Mal vermeiden werde ist, dass sich die Launch-Phase (in der ich kostenlose Webinare gehalten habe) mit der Inhaltserstellung für das erste Modul überschneidet. Das war zuviel auf einmal!
    Learning: Das erste Modul schon mal vorproduzieren und/oder die Inhalte für den Launch gut vor dem Startschuss vorbereiten.
  • Was ich ebenfalls zukünftig vermeiden möchte ist, dass die Weihnachtsferien so von Arbeit eingekesselt sind. Ich werde bei meiner nächsten Zeitplanung darauf achten, dass ich um Weihnachten/Neujahr herum ausreichend Pause in meinen Programmen einplane (zwei Wochen waren eingeplant, aber das war nicht genug).
  • Im Rückblick hat sich herausgestellt, dass ich eher ein wenig zuviel als zuwenig Marketing gemacht hatte – dafür, dass ich nur 10 Plätze zu vergeben hatte. Macht nichts!
    Auch wenn es aus ökonomischer Sicht ein wenig wie „mit Kanonen auf Spatzen schießen ist“: Machen Sie auch für Ihren Pilot-Durchlauf eine (kleine) Marketingkampagne.
    Gehen Sie in die Öffentlichkeit mit Ihren Inhalten, z.B. durch eine Video-Reihe, einen kostenlosen E-Mail-Kurs oder eine Webinar-Reihe oder ähnliches! Der große (riesige) Vorteil ist, dass Sie so schon während der Kampagne sehr gut erspüren können, wo den Kunden der Schuh drückt, welche Argumente ins Schwarze treffen – und womit Sie wirklichen Nutzen stiften können.

Was tun gegen das mulmige Gefühl, nur heiße Luft zu verkaufen?

Hmm… Ich höre das Argument immer wieder und kenne das Gefühl ja auch selbst nur zu gut: „Ich kann doch nicht etwas verkaufen, das es noch gar nicht gibt?“ Vielleicht konnte ich ja mit diesem Erfahrungsbericht ein wenig weiterhelfen?

Auf jeden Fall hilft es, sich immer wieder klarzumachen, dass es sich um einen Probelauf handelt – nicht mehr und nicht weniger. Ein Experiment. Einen Betatest. Der im Online-Zeitalter ja eher die Regel als die Ausnahme ist. Ihr erstes Programm muss nicht perfekt sein. Seien Sie transparent in Ihrem Marketing und sorgen Sie für realistische Erwartungen bei Ihren Teilnehmern. Dann passt das schon und Sie können auf Ihre Fähigkeiten als Prozessbegleiter vertrauen.

Es ist ja auch kein Muss, so vorzugehen, wie von Pat Flynn und mir empfohlen! Jeder muss seinen für ihn stimmigen Weg der Produktentwicklung finden. Für bestimmte Themen (z.B. Software) macht es sogar Sinn, hier vorab Inhalte zu produzieren.

Wenn Sie es allerdings so machen wollen, wie in diesem Artikel (nochmal) von mir empfohlen, dann hilft Ihnen vielleicht der Satz, den ich mir immer wieder gesagt habe, als ich mich endlich traute, meine Landingpage das erste Mal zu veröffentlichen: „Augen zu und durch!“ :D :) (Ist kein Witz, das war wirklich mein Mantra! Und: ich lebe noch!)

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Wie geht es Ihnen damit? Wie sind Sie vorgegangen, um Ihr erstes größeres Produkt fertigzustellen und an die Bedürfnisse der Kunden anzupassen? Was wollen Sie vielleicht von mir (oder meinen Teilnehmern?) noch wissen?

Nutzen Sie wie immer gerne den Kommentarbereich dafür, sich auszutauschen – ich freue mich drauf!