Zeitmanagement-Tipp für die Produktentwicklung: Suchen Sie sich ein Publikum

Zeitmanagement-Tipp für die Produktentwicklung

Produkte entwickeln – konkret heißt das für Coaches, Trainer oder Berater, sich neben dem Alltagsgeschäft der Aufbereitung und „Materialisierung“ ihres Wissens zu widmen. Aus Zeitmanagement-Sicht handelt es sich um wichtige-aber-nicht-dringende Aufgaben, weil sie die Weiterentwicklung des eigenen Unternehmens betreffen, es aber niemanden interessiert, wenn man sie nicht erledigt. Hier ein paar Ideen, wie Sie besser in Schwung kommen – mein Beitrag zur Blogparade von Ivan Blatter. 

Das kennt wohl jeder von uns Wissensarbeitern: Eine Woche kann ganz einfach vergehen, ohne dass man etwas Substanzielles erschaffen hat – obwohl man nicht faul war und viel gearbeitet hat. Es hat Spaß gemacht, gutes Feedback gegeben und das Gefühl am Ende der Woche ist gut. Dennoch: für eine Investion in die Zukunft des eigenen Unternehmens blieb keine Zeit übrig. Das Konzipieren von Produkten oder das Erstellen von wiederverwertbaren Materialien ist so eine Investition, für die allzu oft die Zeit und Muße fehlt.

Oder?

Nicht die Zeit fehlt, sondern die Dringlichkeit

Wer den Anspruch hat, allein im stillen Kämmerlein sein Wissen bis zur Vollendung in neue Formen zu gießen, macht es sich unnötig schwer. Mein Zeitmanagement-Tipp lautet: Schaffen Sie sich Dringlichkeit für die Aufgaben, die für die Weiterentwicklung Ihres Unternehmens wichtig sind.

Dringlichkeit entsteht durch das Interesse Anderer an Ihren Ergebnissen, verknüpft mit festen Terminen. Suchen Sie sich daher so früh wie möglich, schon in der „Beta-Phase“ Ihrer Produktentwicklung, ein Publikum bzw. Sparringspartner.

Hier ein paar Ideen von mir dazu:

So machen Sie Ihre Fans und Kunden zu Ihrem Publikum:
  • Planen und halten Sie kostenlose Webinare, in denen Sie Ihr Wissen und Ihre Kernaussagen in ca. 30 Minuten knackig und überzeugend auf den Punkt bringen. Auf diese Weise geben Sie Ihrem Publikum absolut wertvolle Informationen und haben im Gegenzug die Möglichkeit, explizit nachzufragen: „Was war Ihr Aha-Effekt?“ „Was möchten Sie zu diesem Thema noch wissen?“ „Was brauchen Sie noch, um jetzt konkret ins Tun zu kommen?“ „Welchen Tipp haben Sie noch für mich?“.
    Die Präsentation und den roten Faden des Webinars könnten Sie später in ein Video umformen – was zwar nochmal Zeit kostet, aber auf diese Weise haben Sie dann ein Modul Ihres Selbstlernkurses oder Ihres Coachingprogramms fertig. Auch ein schriftliches Dokument lässt sich viel leichter erstellen, wenn der Inhalt einmal auf das Wesentliche „heruntergedampft“ wurde, Sie passende Bilder dazu gefunden und Feedback dazu bekommen haben.
  • Nutzen Sie Ihren Newsletter und/oder Ihren Blog dazu, die Inhalte eines Kurses oder eines Buches schrittweise fertigzustellen. Da nur Sie die Gliederung kennen, die Sie sich vorher überlegt haben sollten, kommen Ihre Leser wahrscheinlich gar nicht auf die Idee, dass später mal ein chronologischer Kurs draus werden soll. Gerade diese chronologische Anordnung bietet aber später den Mehrwert, der Ihren bislang kostenlosen Inhalt zu einer geldwerten Ressource macht.
  • Wenn Sie sonst eher 1-zu-1 arbeiten: Bieten Sie einen lokalen Workshop zum Thema an, z.B. bei der Volkshochschule oder ähnlichen Trägern. Die Vermarktung lokaler Workshops kann zwar nach meiner Erfahrung eine zähe Angelegenheit sein – aber Ihnen reichen ja 3-4 Teilnehmer, um Verbindlichkeit und direktes Feedback für Ihre Materialien-Erstellung zu bekommen.
  • Nutzen Sie wann immer möglich die aktuelle Arbeit mit Kunden dazu, Ihre Hilfestellungen zu „materialisieren“: Statt eine Übung mündlich zu erläutern, die Ihr Coachingkunde bis zur nächsten Sitzung machen soll, erstellen Sie ein Arbeitsblatt. Statt einen Kunden am Telefon z.B. die Einrichtung eines bestimmten Plug-Ins von WordPress zu erläutern  – erstellen Sie ein kurzes Bildschirm-Video. Statt als Trainer die Grundlagen des Themas als Impulsvortrag im Seminarraum zu präsentieren, lagern Sie die Wissensvermittlung als Audio-Podcast vor. Wenn Sie die Chance haben, mit einem Experten in Ihrem Feld zu sprechen, fragen Sie gleich nach, ob Sie das Gespräch als Interview aufzeichnen dürfen.

Sie sehen: mit ein wenig Kreativität gibt es fast überall die Möglichkeit, die Produktentwicklung zum Bestandteil Ihrer alltäglichen Arbeit zu machen. Welche Möglichkeiten fallen Ihnen noch ein, sich ein Publikum zu suchen, um konkret ins Tun zu kommen?

Es gibt noch eine weitere Möglichkeit:

So nutzen Sie Ihre Netzwerkpartner um Wichtiges dringend zu machen:
  • Suchen Sie sich einen Sparringspartner, der ein ähnliches Ziel hat wie Sie und setzen Sie sich gegenseitig feste Termine (z.B. 1x pro Woche), an denen Sie sich gegenseitig Ihren Fortschritt präsentieren und Feedback geben. Es kann sein, dass Sie einen solchen Sparringspartner mit ähnlichen Projekten erst suchen müssen – vielleicht durch einen Eintrag in einer Xing-Gruppe?
  • Dies habe ich gerade selbst ausprobiert: Nutzen Sie einen Vormittag in der Woche als „Erledigungsinsel„. Sie telefonieren morgens mit einer oder auch zwei Personen aus Ihrem engeren Netzwerk und verpflichten sich gegenseitig dazu, eine bestimmte Aufgabe in den nächsten zwei Stunden zu erledigen. Dann geht jeder an die Arbeit und mittags schicken Sie sich gegenseitig die Ergebnisse und sprechen kurz drüber. In den zwei Arbeitsstunden sind Sie entsprechend gezwungen, wirklich etwas Sinnvolles zustande zu bringen, mit dem Ihr Sparringspartner etwas anfangen kann. Dieser künstlich erzeugte Druck hilft mir persönlich sehr, mit einem leicht erhöhten Adrenalin-Spiegel in zwei Stunden mehr zu schaffen als sonst an einem ganzen Arbeitstag :)
  • Wenn Sie noch keins haben: suchen Sie sich ein Erfolgsteam. Bei den regelmäßigen Treffen im Team geht es zwar nicht so explizit um das Erledigen von Aufgaben, wie in den zwei vorgenannten Tipps. Aber zumindest in meinen Erfolgsteams achten wir immer darauf, dass wir uns vor allem auf Themen konzentrieren, die dem langfristigen Unternehmensaufbau dienen – und nicht auf die alltäglichen Herausforderungen. So bleiben wichtige Aufgaben immer auf der Bildfläche und können nicht so leicht im Alltagstrubel untergehen.

Das waren meine persönlichen Tipps, die Sie ja auch teilweise bei mir beobachten können, wenn Sie mein Vorgehen schon länger verfolgen. Monika Birkner hat mich neulich zu meinem „co-kreativen“ Vorgehen in einem Interview befragt – ich finde, dieser Begriff trifft auf den Punkt, was ich in diesem Artikel nochmal als Zeitmanagement-Tipp verpacke. ;)

Für mich persönlich ist klar: Alles was ich an Produkten zukünftig „herstelle“ möchte ich in Zusammenarbeit mit Kunden, Lesern, Fans und (engen) Netzwerkpartnern erstellen. Allein vor mich hinwerkeln möchte ich nie wieder – das habe ich bei meinem ersten Buch so gemacht und das war schon eine recht harte Erfahrung.

Wie helfen Sie sich, nicht-dringende aber wichtige Aufgaben im Alltag erledigt zu bekommen? Wenn Sie noch eine Idee dazu haben, schreiben Sie diese gerne ins Kommentarfeld – auch Feedback ist wie immer willkommen.

Herzliche Grüße

Marit Alke