Mythos passives Einkommen: Warum du dich zu Beginn besser darauf konzentrierst, dein Business skalierbar zu machen

Mythos passives Einkommen_ Warum du dich zu Beginn besser darauf konzentrierst, dein Business skalierbar zu machenBitte mal Hand hoch: Wer möchte nicht passives Einkommen mit seinen Onlinekursen erzielen? Einmal arbeiten und dann wird Geld im Schlaf verdient – klingt doch super, oder? In diesem Artikel sage ich dir, warum das direkte Streben nach passivem Einkommen womöglich nicht die Ergebnisse bringt, die du dir erhoffst. Ich begründe auch, warum du nicht mit Selbstlernkursen starten solltest (und welche Ausnahmen es gibt) – und was ich stattdessen empfehle. Denn eines möchte ich unbedingt vermeiden: Dass du schlechte Erfahrungen mit Onlinekursen machst und es dann lieber wieder aufgibst.

Ich gebe zu: Dieser Artikel ist bewusst etwas polarisierend! So schwarz und weiss, wie ich die Dinge jetzt gleich malen werde, ist diese Online-Welt nicht – zum Glück! :)

Warum „Mythos passives Einkommen“?

Ich schreibe diesen Artikel, weil ich möchte, dass du dich zurückbesinnst auf das, was dir wirklich wichtig ist beim Aufbau deines Business. Ich bekomme mit, wie einige sich „fehlleiten“ lassen von den vielen Botschaften, die da draußen in Sachen Onlinekurse so durch’s Netz gehen. Die ja übrigens alle ihre Berechtigung haben. Versprochen wird passives Einkommen und Automatisierung des Marketing – es müsse nur ein Selbstlernkurs (= eine Reihe von Videos) erstellt werden und der auf Autopilot ins Laufen gebracht werden.

Und so kamen in letzter Zeit auch mehrere Anfragen, ob man bei mir lernt, wie man sich ein passives Einkommen mit eigenen Onlinekursen aufbaut. Diese Frage finde ich nicht ganz einfach zu beantworten, weil ich meinen Teilnehmern ja durchaus dabei helfe, die Basis dafür zu legen, langfristig auch passives Einkommen mit ihren Kursen erzielen. Aber wer schon mit dieser Frage startet – so meine These – geht die Sache womöglich von der falschen Seite her an.

Ich sehe ebenfalls kritisch, dass sehr viele, sobald der Blog einigermaßen läuft, als erstes einen Selbstlernkurs entwickeln – der Eindruck entstand bei mir jedenfalls u.a. durch das Lesen eurer vielen Beiträge in der Blogparade.  Auch dahinter steht ja wahrscheinlich der Wunsch nach „passivem Einkommen“.

„Ist denn „passives Einkommen“ nicht erstrebenswert? Du predigst doch auch, weg von 1-zu-1 zu kommen!“

Ja, klar, ist „passives Einkommen“ eine schöne Sache. Und es ist ja mittel- bis langfristig auch realistisch erreichbar, wenn man sich entsprechend darauf fokussiert. Aber:

Du kannst auch ein tolles, befriedigendes Business haben, wenig arbeiten und viel verdienen – ganz ohne passive Einkommensströme!

Schau‘ mich an oder die vielen Anbieter von betreuten Onlinekursen, wie sie z.B. in meiner Facebook-Gruppe versammelt sind.

Wenn du versuchst, direkt auf passives Einkommen zuzusteuern, kann das meiner Ansicht nach ganz schön nach hinten losgehen. Warum, darauf gehe ich unten noch weiter ein.

Worum es mir geht, ist, das eigene Business überhaupt erst einmal „skalierbar“ zu machen – also es zu schaffen, in weniger Zeit mehr Menschen mit deinem Wissen voranzuhelfen. Die eigene Arbeitszeit zu „hebeln“ und ein Geschäftsmodell zu entwickeln, bei dem das Einkommen durch wiederholbare Prozesse relativ vorhersehbar erzielbar ist. Das meine ich mit „über das 1-zu-1-Business hinauswachsen“. Von passivem Einkommen ist da erstmal nicht die Rede – wenn das später erreichbar ist, weil sich Selbstlernkurse gut als Zusatzprodukt verkaufen lassen ist das gut. Wenn nicht – auch gut.

Es ist ein meilenweiter Unterschied, ob jemand sich „passives Einkommen“ oder ein „skalierbares Geschäftsmodell“ wünscht, wenn er mit eigenen Onlinekursen startet

Wer als Anbieter gleich auf Passives Einkommen abzielt, fokussiert sich darauf, so wenig wie möglich Kontakt zu Teilnehmern haben zu müssen. Denn wenn man als Anbieter „gebraucht“ wird im eigenen Onlinekurs, ist es ja de facto kein passives Einkommen.

Also entstehen Selbstlernkurse. Und da Selbstlernkurse meist eher niedrigpreisiger angeboten werden, sind viele Verkäufe nötig, um ein nennenswertes Einkommen zu erzielen. Also muss auch der Marketingprozess von der Arbeitszeit abgekoppelt werden, was dann automatische „Verkaufsfunnels“ nötig macht – die ebenfalls wieder Distanz zwischen den Anbieter und seine Kunden bringen.

Wer als Anbieter jedoch auf Skalierbarkeit abzielt, fokussiert sich darauf, mit seinen Onlinekursen das beste Verhältnis aus Zeiteinsatz zu Teilnehmernutzen zu finden.

Da sich betreute Gruppenkurse meist höherpreisig anbieten lassen, ist keine sehr große Anzahl an Teilnehmern nötig und der Anbieter kann sich ganz darauf fokussieren, dieser Gruppe Mehrwert zu bieten. Man verdient deutlich mehr als vorher („1-zu-1“) und hat nach einer ersten Anlaufphase deutlich weniger Arbeit für den gleichen oder höheren Umsatz. Diese Anbieter haben ihr Business skaliert – es ist aber weit entfernt von „passivem Einkommen“, weil sie sowohl während der Vermarktung als auch während der Betreuung nach wie vor gebraucht werden.

Du willst doch eigentlich Menschen helfen, oder?

Was man ja oft liest ist so etwas wie „Verdiene Geld mit deiner Leidenschaft – mach‘ einen Kurs aus deinem Herzensthema und verkauf‘ den dann“.

Ich behaupte:

Diejenigen, die wirklich ernsthaft gleich von Anfang an mit eigenen Onlinekursen passives Einkommen erzielen möchte – deren Leidenschaft ist es, Prozesse zu gestalten!!

Das sind „Techniker“, Kommunikations-Ingenieure, Tüftler, oft auch „Techies“, also jemand der von den technischen Möglichkeiten des Internet begeistert ist. Das ist nichts Schlechtes, von mir ohne Wertung.

Aber: Die Leidenschaft dieser „Internet-Ingenieure“ ist möglicherweise eine andere, als deine Leidenschaft!!!

Ich gehe davon aus, dass du jemand bist, der vorrangig Menschen helfen möchte. Du hast Freude an Interaktion, bist werte-orientiert, es geht dir darum, einen Unterschied zu machen in dieser Welt. Technik ist für dich Mittel zum Zweck und kein Faszinosum an sich. Du wünscht dir vor allem gute Beziehungen zu deinen Kunden. Ich könnte mir vorstellen, dass du dich vom passiven Einkommen so angesprochen fühlst, weil dir das mehr Luft geben würde, dich um die Dinge zu kümmern, für die dein Herz schlägt. Oder?

Also: Wenn du jemanden von passivem Einkommen mit eigenen Onlinekursen sprechen hörst (oder liest), dann hinterfrag‘ kritisch, ob sein Wertekanon zu deinem passt. Ob du wirklich bereit bist, viele Monate an der Automatisierung all‘ deiner Kommunikationsprozesse, sowohl im Onlinekurs selbst als auch im Vermarktungsprozess für selbigen zu arbeiten – und diese ja auch ständig zu optimieren. Denn das ist nach meinem Verständnis nötig, um damit ein wirklich nennenswertes Einkommen zu erzielen.

Oder ob du nicht während des Kurses lieber relativ engen Kontakt zu deiner Teilnehmergruppe haben willst und auch im Vermarktungsprozess („Launch“) den direkten Kontakt zu deiner Folgerschaft hältst. Fragen beantworten, mitbekommen, was passiert, auch mal in ein Gespräch mit jemandem gehen, wenn es Sinn macht – eben nicht überflüssig zu sein, sondern im ersten Schritt darauf zu setzen, die benötigte Zeit zu reduzieren und den Nutzen für Teilnehmer zu erhöhen.

Später kann das dann immer noch in passives Einkommen übergehen, wenn dich das dann reizt. Ich kenne viele Kollegen, die verdienen den Großteil ihres Einkommens mit „großen“, betreuten Gruppenprogrammen – und wenn dann mal ein paar Verkäufe der Selbstlernvariante dabei sind, freuen sie sich auch.

Warum es schief gehen kann, wenn du mit einem Selbstlernkurs startest

Gleich vorweg: Es gibt Fälle, da machen Selbstlernkurse auch als Einstieg in die Welt der Onlinekurse Sinn. z.B. wenn du als Anbieter schon eine große, begeisterte Folgerschaft hat und das Thema sehr konkret und abgegrenzt ist. Darauf gehe ich gleich noch ein, wann Selbstlernkurse als Einstieg Sinn machen.

Jetzt löse ich erstmal mein Versprechen ein und zeige auf, warum es leicht schief gehen kann, wenn du mit einen Selbstlernkurs in die Welt der Onlinekurse startest:

1. Eine Reihe von Videos macht noch keinen guten Kurs:

Aus meiner Sicht müssen Selbstlernkurse didaktisch besonders gut durchdacht sein. Schließlich wird der Lerner in dem Prozess allein gelassen und muss daher gut geführt werden. In einem betreuten Gruppenkurs hingegen kann der Anbieter sehr vieles durch Interaktion ausgleichen, aufklären, ergänzen, nachträglich erläutern etc. Leider sind viele Selbstlernkurse eher eine Reihe von Videos. Im Falle eine Technik-Tutorials („So bedienen Sie Software xy“) macht das ja auch Sinn, aber für viele andere Themen braucht es dann doch mehr, damit ein gutes Teilnehmererlebnis dabei herauskommt.

Die Folge: Wenn ein Selbstlernkurs nicht begeisternd und wirklich gut gemacht ist, kauft der Kunde nie wieder (und verabschiedet sich meist still, die wenigsten bringen ihren Frust offen zum Ausdruck).

2. Es ist viel mehr Marketing nötig als der Anbieter gedacht hatte…

Einfach einen Selbstlernkurs auf den eigenen Blog in die Seitenleiste zu stellen, reicht selten (sehr selten) aus! Leider scheinen viele das zu glauben – vielleicht, weil es mal 2-3 Anfragen aus der Folgerschaft gab, ob es denn dazu nicht mal einen Kurs geben könne.

Fakt ist: Selbstlernkurse verkaufen sich nicht von selbst!

Es braucht eine schon recht große Folgerschaft und immer wieder neue Reichweite (sprich: Viel Trommeln mit kostenlosem Content) und auch ein durchdachtes Email-Marketing, das neue Interessenten gleich in Richtung Selbstlernkurs lotst, damit immer mal wieder Käufer nachkommen. Meiner Ansicht nach sind Selbstlernkurse deutlich schwieriger zu verkaufen als höherpreisige Gruppenkurse, die zu einem bestimmten Zeitpunkt starten – jedenfalls, wenn man auf einen vergleichbaren Umsatz kommen will.

Die Folge: Da hat sich der Anbieter nun viel Mühe mit dem Selbstlernkurs gemacht – und dann verkauft sich dieser nicht ansatzweise so wie erhofft. Ich befürchte, dass dann viele sagen werden „Onlinekurse funktionieren bei mir nicht, ich lasse es besser“.

3. Ausbleibende Kunden sind nicht nur für dein Portmonee schlecht!

Was passiert, wenn jemand mit großen Erwartungen in ein Projekt startet und die Erwartungen werden enttäuscht? Die wenigsten können das einfach sachlich als Lernerfahrung verbuchen – bei den meisten wird es auch einen kleinen Knacks im Selbstbewusstsein geben. Bei mir wäre das jedenfalls so.

Und – auch wenn uns das vielleicht selten bewusst ist – wir Solo-Unternehmer brauchen unser Selbstbewusstsein. Wir brauchen auch ein Gefühl von Selbstwirksamkeit, also, die Dinge selbst ändern und angehen zu können, um überhaupt weiter mit der Motivation am Ball zu bleiben. Insofern ist Selbstbewusstsein / Selbstwirksamkeit eine unglaublich wichtige Ressource für uns, auf die wir gut aufpassen sollten.

Wenn nun aber jemand erlebt, dass etwas nicht so klappt, wie er sich das vorgestellt hat, weil sich eben das „passive Einkommen“ nicht so einfach einstellt, wie gedacht – schadet das genau dieser so wichtigen Ressource.

Fazit: Es ist doppelt wichtig, genau hinzuschauen, welche Ziele du mit deinem ersten Kurs anpeilen willst. Bleib‘ bei dem, was für dich realistisch erreichbar ist und was zu deinen Werten passt – sonst schadest du deinem Business indirekt durch den Frust, der sich bei einem Misserfolg einstellt.

„Welche Ausnahmen gibt es? Es kann wohl kaum jeder ein Gruppenprogramm anbieten?“

Absolut richtig. Ich habe beim Schreiben dieses Blogartikels meine Wunschleser vor Augen – und das sind Coaches, Berater, Trainer, die Entwicklungsprozesse ihrer Kunden begleiten wollen. Also „softe“ Themen abdecken, wenn du so willst. Gruppenprogramme machen vor allem dann Sinn, wenn es sich um einen relativ komplexen Prozess handelt, durch den Teilnehmer durchgeführt werden sollen, bei dem auch Reflexion, Feedback und der Kontakt zur Community wichtig sind dafür, dass die Teilnehmer die Ergebnisse erzielen können, die sie mit dem Kurs erreichen wollen.

Im Gegenzug dazu gibt es ja auch eher „handfeste“ Themen, bei denen es ein klares A und ein klares B und einen recht überschaubaren Weg von A nach B gibt. So ist es beispielsweise bei Software der Fall oder bei anderen klassischen „How-to“-Themen wie beispielsweise bestimmten Sport-Techniken oder Handarbeiten, Fotografieren oder ähnliches. Hier machen in den meisten Fällen tatsächlich kleinere Selbstlernkurse mehr Sinn- eine engere Betreuung wäre hier mehr als die Kunden brauchen. Und manche Trend-Themen wie z.b. angesagte Software wie „Trello“ oder „Evernote“ oder andere Trendthemen wie „Häkeln“ oder ähnliches verkaufen sich vielleicht auch wirklich „von selbst“, ganz ohne große Sichtbarkeit des Anbieters – da hab‘ ich zu wenig Erfahrung muss ich gestehen.

Ein weiteres Kriterium habe ich oben schon genannt: Wenn du bereits eine recht große Sichtbarkeit und Email-Liste aufgebaut hast und schon länger mit kostenlosen Mehrwerten „dein Publikum“ begeisterst – dann wirst du auch einen Selbstlernkurs verkauft bekommen! Du kannst aber in diesem Fall im Grunde alles mögliche verkaufen, weil du dir ja deine Basis schon aufgebaut hast – und dann gilt es durchzurechnen und auch hinzufühlen, ob nicht ein betreutes, „größeres“ Programm möglicherweise der größere Hebel sein kann.

Ach ja – und natürlich noch der Fall, dass du – wie oben skizziert – solche automatisierten Prozesse faszinierend findest und nicht so gerne viel Kontakt zu Kunden hast. Dann wundert mich zwar ein wenig, dass du meinen Blog liest :) – aber soll es ja geben. Wie gesagt, es ist keine Wertung, jeder kann sein Business gestalten wie er möchte – und solange er dabei ehrlich bleibt und keine falschen Tatsachen vorspiegelt (wie z.B. durch automatische Webinare, die so tun als wären sie live) finde ich alles in Ordnung.

Nur: Bleib‘ du deinen Werten treu, überleg‘ gut, WIE du mit deiner Leidenschaft Geld verdienen möchtest – und dann fang‘ an, dein Business skalierbar zu machen!

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Diese Botschaft war mir wichtig loszuwerden! Sorry, dass ich hier bewusst schwarz-weiss gemalt habe – ich hoffe damit besser zu verdeutlichen, welche unterschiedlichen Herangehensweisen es an das Thema Onlinekurse gibt.

Ich hoffe es wurde auch deutlich, dass Selbstlernkurse nicht etwa einfacher und besser geeignet für den Einstieg sind – sondern genau andersherum, eher etwas für Fortgeschrittene mit großer Liste und gutem Verständnis der Prozesse ihrer Kunden.

Wie immer freue ich mich auf Kommentare und noch viel mehr, wenn du diesen Artikel teilst, wenn er dir gefallen hat!

Herzliche Grüße

Marit

 

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