So gehen deine Lernimpulse ins Ohr: Audio erstellen für deinen Onlinekurs

Egal ob als Selbstlernkurs oder zur Vorbereitung von Präsenztrainings: Lernimpulse im Audio-Format sind gut geeignet für Onlinekurs-Entwickler, die ihren Teilnehmern sequentiell Wissenshappen reichen wollen. Eine Sprachbotschaft als Mp3 ist relativ leicht zu erstellen und hat für deine Teilnehmer einige Vorteile z.B. gegenüber einem Lernvideo. Wie du einen Audio-Lernimpuls erstellst und worauf es ankommt – dazu dieser Artikel.

Audio-Lektionen sind eine sehr gute Möglichkeit, Wissen zu materialisieren

Gegenüber Lernvideos und Lerntexten können Audio-Lernimpulse mehrere Vorteile haben:

  • Sie sind deutlich einfacher zu erstellen als Videos – sowohl bezogen auf die technische Ausstattung als auch auf die Zeit, die es braucht, ein gutes Ergebnis zu erzielen. Das verringert für dich die Hürde, hier überhaupt ins Tun zu kommen.
  • Deine Teilnehmer können über’s Ohr in der Regel längere Inhalte konsumieren, als wenn sie sich Lernvideos auf dem Bildschirm anschauen. Audio-Dateien können flexibler angehört werden, auch unterwegs über das Smartphone, und werden öfter in entspannenden Umgebungen angehört, wie z.B. auf dem Sofa, auf einer Parkbank, während einer Bahnfahrt, beim Spazierengehen… – dadurch ist die Aufmerksamkeitsspanne größer.
  • Durch die Möglichkeit der flexiblen Nutzung ist meiner Meinung nach auch die Wahrscheinlichkeit höher, dass die Teilnehmer diesen Lernimpuls tatsächlich nutzen. Während es für viele Menschen meist ein wenig Überwindung kostet, sich ein längeres Video anzuschauen, kann das Anhören eines Audios problemlos im Alltag eingebaut werden.
  • Im Vergleich zu reinem Text ist es persönlicher und damit motivierender, die Stimme ihres Coaches / Trainers zu hören. Dadurch entsteht für die Teilnehmer eine größere Verbindlichkeit und Motivation, sich mit dem Thema des Audio-Lernimpulses intensiver auseinanderzusetzen – was ja das Ziel einer jeden Lerneinheit ist.

Natürlich gibt es Themen oder Inhalte, die nur über Video sinnvoll vermittelt werden können – wie beispielsweise, wenn explizit etwas vorgeführt oder gezeigt wird. Auch bei sehr komplexen Zusammenhängen ist es oft hilfreich, den Teilnehmern dazu bspw. eine gut aufbereitete Grafik zu zeigen als die Inhalte nur einzusprechen. In vielen Fällen aber ist die visuelle Komponente bei weitem nicht so zentral, dass es unbedingt Video als Input sein muss.

In meinem Artikel Drei einschränkende Mythen über Onlinekurse hatte ich geschrieben, dass ich es für einen Mythos halte, dass nur Kurse mit Videos „echte“ oder „gute“ Kurse sein können. Was nicht heißt, dass ich „gegen Videos“ bin :) – ich möchte einfach nur erreichen, dass im Sinne des Teilnehmers das jeweils optimal stimmige Medium gewählt wird. Und öfter als manch Kursentwickler vielleicht denkt, eignet sich auch ein Audio hervorragend als Input für deinen Kurs.

Worauf ist zu achten, damit die Teilnehmer optimal mit deinem Lernimpuls arbeiten können?

Eine Audio-Botschaft darf gerne ein wenig länger sein als ein Lernvideo. Als Richtwerte würde ich sagen: Ein Lernvideo sollte 10 Minuten nicht überschreiten, ein Lern-Audio kann bis zu 30 Minuten lang sein, evtl. sogar bis zu 40. Wobei es natürlich auch immer Teilnehmer geben wird, denen das zu lang ist – daher macht es immer Sinn, wenigstens eine schriftliche Zusammenfassung zu dem Audio dazu anzubieten.

Wie schaffst du es, den Lernimpuls so zu gestalten, dass er deinem Teilnehmer optimal voranhilft?

  • Verschaffe dir zunächst einen Gesamtüberblick über die Impulse, die du im Verlauf deines Kurses deinen Teilnehmern mit auf den Weg geben möchtest. Auf der Basis zergliederst du das zu vermittelnde „Wissen“ in mundgerechte Happen. In Onlinekursen geht es hier ja oft eher darum, einen Impuls zu setzen, eine Perspektivänderung vorzuschlagen oder eine Geschichte zu erzählen und nicht um klassische „Wissensvermittlung“.
  • Faustregel: Gib‘ nach Möglichkeit immer nur einen zentralen Aha-Effekt bzw. einen Aspekt pro Einheit rein, erläutere diesen und bringe z.B. Beispiele oder Geschichten dazu – und ermutige anschließend deine Teilnehmer dazu, sich eigene Gedanken dazu zu machen – z.B. auf einem passenden Arbeitsblatt. Wenn du dich doch dazu entscheidest, mehrere Aspekte unterzubringen, solltest du am Ende nochmals alle nennen und dann direkt dazu auffordern, die entsprechenden Reflexionsfragen zu beantworten.
  • Auch wenn es verlockend erscheint: Sprich nicht einfach herunter, was dir einfällt. Mindestens eine Gliederung und einen roten Faden solltest du dir vorher überlegen. Ich empfehle, immer alternativ auch einen Text an die Teilnehmer zu geben – ob du den zuerst erstellst und dann sprichst oder andersherum ist Typsache.
  • Gut geeignet sind „x-Punkte“ Gliederungen„Die 9 typischen Fehler, die du bei xy machen könntest.“ „Drei wichtige Aspekte bei xy.“ Auf diese Weise kann der Zuhörer dir gut folgen. Aber auch andere Gliederungen sind in Ordnung, die du z.B. aus der freien Rede kennst – Hauptsache, die Struktur ist klar und kann vom Zuhörer gut erfasst werden.
  • Um den visuellen Aspekt mit einzubeziehen ist es hilfreich, wenn du Bilder vor dem inneren Auge deines Zuhörers entstehen lässt z.B. durch Beispiele, Methaphern oder Geschichten.
  • Benenne zwischendurch immer mal wieder, wo du dich innerhalb der Einheit gerade befindest, z.B. „Das war jetzt Punkt 2 von 4, die ich dir zum Thema xy vorstellen wollte“ „Soweit zur Theorie zum Thema xy, jetzt möchte ich dir noch ein Beispiel nennen, das illustriert wie“. Auch wenn es dir vielleicht komisch erscheint, öfter als gewohnt auf die Metaebene zu wechseln – du hilfst deinen Zuhörer damit, wieder ins Thema reinzufinden, wenn der gerade abgelenkt war oder ähnliches.
  • Sprich deine Teilnehmer zu Beginn und zum Ende so persönlich wie möglich an – so als würdest du diese Person einzeln am Telefon haben. Motiviere, aktiviere durch deine Sprache, schaffe Vertrauen und Nähe indem du z.B. einen kleinen Scherz machst, deine Stimme sehr weich oder auch sehr auffordernd werden lässt oder ähnliches.

Die 7 Schritte vom Manuskript zum fertigen Lern-Audio

Ohne hier jetzt zu sehr ins Detail zu gehen, will ich dir kurz die Schritte vom Manuskript zur fertigen, an die Teilnehmer ausgelieferten Audio-Datei aufzeigen:

  1. Mikro anschließen und positionieren (ich verwende das Samson Meteor und bin so begeistert davon, dass ich „damals“ sogar eine Videorezension auf amazon dazu gemacht habe ;))
  2. Audacity öffnen (kostenloses Aufnahmeprogramm)
  3. Audio-Botschaft an die Teilnehmer mit Audacity aufnehmen
  4. Audio-Datei bearbeiten: Herausschneiden von ungewünschten Textstellen, Korrigieren von Ausschlägen, Hinzufügen von Musik usw. (bitte hier keinen übertriebenen Perfektionismus walten lassen, sonst fummelst du ewig an deinem Audio herum!)
  5. Audio-Datei in Mp3 exportieren. Dafür brauchst du bei Audacity einmalig einen „Encoder“, damit das möglich ist. Dazu gibt es viele Anleitungen im Netz. Brigitte Hagedorn gibt bspw. in diesem sehr hilfreichen Guide Audacity – erste Schritte zur Arbeit mit dem Audio-Editor die Anleitung dazu.
  6. Fertiges Mp3 zur Auslieferung an die Kunden bereit machen. Dazu kannst du die Datei beispielsweise bei Soundcloud.com hochladen und den Link per Mail verschicken oder den Player in deine Webseite einbetten
  7. Das war’s – dein Wissen ist fertig materialisiert und deine Teilnehmer kommen wieder einen Schritt mit deiner Hilfe voran! 😀

Es müssen nicht immer Videos sein…

Mittlerweile ist es technisch gesehen recht einfach, Videos zu erstellen. Gute, lernförderliche Videos für Onlinekurse zu erstellen ist allerdings weiterhin aufwändig – weil eben das Vorlesen textlastiger Folien oder das reine Dozieren vor der Kamera (was noch die einfachsten Möglichkeiten sind, ein Video zu erstellen) nämlich eben nicht sehr hilfreich für die Teilnehmer ist!

Und eben weil das Video-Erstellen einigermaßen aufwändig ist, werden viele Kurse nicht fertig oder werden gar nicht erst angefangen. Was doch schade ist!

Also: Warum nicht gut gemachte Audio-Impulse an deine Teilnehmer geben und nur an einigen ausgewählten Stellen im Kurs Videos einsetzen? Z.B. um dich selbst vorzustellen zu Beginn (dann aber mit Kamerabild) oder um z.B. bestimmte Umsetzungs-Schritte zu visualisieren oder ähnliches. Gerade für den Einstieg mit Onlinekursen macht es Sinn, sich selbst die Hürden bewusst herunterzusetzen – mit Audios statt Videos ist das z.B. machbar.

Ich bin gespannt, was du dazu denkst – gerne auch aus Teilnehmerperspektive. Oder welche Erfahrungen du damit gemacht hast. Schreib’s mir ins Kommentarfeld!

Herzliche Grüße

Marit Alke

11 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Danke, liebe Marit,
    das ist sehr wertvoll für mich, die ich meinen 1. Onlinekurs gerade beendet habe und mein Medien-Spektrum erweitern möchte: motivierend, konkret mit super Tipps, worauf zu achten ist.
    Als potenzielle Teilnehmende möchte ich nur gern rückmelden, dass mit Audios von 30 Minuten in meinem gut gefüllten Alltag zu lang sind. Optimal finde ich eine Länge von 5 oder 10 Minuten. Lieber mehr Audios in „kleinen Häppchen“, die kann ich leichter in meinen Alltag integrieren ;-) :-)

  2. Liebe Marit,
    herzlichen Dank für deinen knackigen Impuls zum Thema Lernaudio. Werde ich ganz bestimmt umsetzen. Zur Länge auch von mir eine Anmerkung. Mit Videos bis zu 6 min haben wir bei unseren Teilnehmern gute Erfahrungen gemacht. Audios bis zur doppelten Länge erscheinen mir gut handhabbar.
    Viele Grüße
    Christine

    • Hallo Christine,

      Danke für deinen Kommentar! Was als Länge handhabbar und sinnvoll ist, hängt ja sehr vom Thema und von der Teilnehmerschaft ab. Themen wie Entspannung, Gewohnheiten ändern, Sprachen lernen etc. sind natürlich besser in kleinen Happen verpackt. Andere Themen brauchen Erläuterung, Mindset-Arbeit, Beispiele um eine ausreichende Wissensbasis zu legen – da würden kleine Happen keinen Sinn machen. Um welches Thema geht es in deinen / euren Onlinekursen?

      Was die Zielgruppe angeht: Da gibt es ja die, die tendenziell viel Zeit mit ihrem Smartphone verbringen und gerne längere Audios hören, wenn sie bspw. im Auto sitzen oder irgendwo warten müssen – für die sind längere Inhalte gut anhörbar. Natürlich vorausgesetzt, dass der Input relevant für das Vorankommen ist. Während die, die Audios noch am Bildschirm anhören und bspw. auch das Medium Podcast noch nicht für sich entdeckt haben, eher kürzere Impulse möchten – was ich dann auch verstehen kann.

      Daher lässt sich das so pauschal nicht sagen, welche Länge optimal ist. Meine Teilnehmer finden meine längeren Lektions-Inputs bspw. überwiegend sehr gut, ich bekomme super Feedback und auch die zusätzlichen Podcasts von mind. 20 Minuten Länge werden gern angehört. Liegt wahrscheinlich daran, dass die meisten meiner Teilnehmer auch schon gerne meinen Podcast hören und es gut finden, meinen Kurs-Input auf die gleiche Weise zu konsumieren. :)
      Durch zusätzliche Texte und die Folien zum Durchklicken ist es ja allen, denen das zuviel ist, möglich, schnell über den Inhalt zu scannen – das würde ich bei längeren Audios auch immer empfehlen, das „Scannen“ (Textfassung des Audios) zu ermöglichen.

      Aber anscheinend ist das Thema „Länge des Audios“ noch zu undifferenziert dargestellt im Artikel – ich werde nacharbeiten. :)

      Herzliche Grüße
      Marit

  3. Liebe Marit,

    heute ist mein Audio-Tag… Bin aufgewacht mit einem Enthusiasmus für Stimme – habe fast alle anstehende Korrespondenz via Audio Aufnahme erledigt, mir deinen Kurspodcast zum Frühstück angehört, sowie dein Feeback zu meinem Kursbeitrag, habe dann diesen Artikel gefunden, mir das Mikro angeschaut, als Weihnachtsgeschenk gewünscht (und schon bestellt) und jetzt buche ich noch deinen Aktionstag mit Gordon am 15.12.16… Manchmal passt alles zusammen und mein Audio manchmal ist heute. Hab tausend Dank – es geht endlich in die Richtung, in die es soll…

    Herzlichst, Jesta

    • Hey Jesta,

      wie cool, manchmal passt einfach alles! :) Ich freu‘ mich schon auf die Arbeit an deinem Audio!!

      Lieber Gruß
      Marit

  4. Liebe Marit,
    wie wunderbar du alles dargestellst und handhabbar machst, vielen Dank. Für mich ein schönes Gegengewicht zu der allgmeinen Fokussierung auf Videos. Ich persönlich höre und lese lieber als das ich sehe. Ich bin auf jeden Fall am 15.12. dabei,
    herzliche Grüße
    Andrea

  5. Hallo Marit, ein herzliches Dankeschön für diese Wissensvermittlung.Ich war gestern bei meiner Planung zu Audios und voila heute bekomme ich von dir Antworten. Meine Eigenerfahrung mit Onlinekursen zeigt, das die Kombination aus Video, Audio und Text die besten Ergebnisse (und Abwechslung ;-)) bringt. Es gibt ja auch unterschiedliche Lerntypen und unsere Sinne reagieren je nach Tagesform unterschiedlich aufnahmebereit.Und ich mach mich jetzt auch mal aufnahmebereit :-).Herzlich Ananda Claudia Mehlbeer

  6. Sehr guter Beitrag. Danke!
    Ich experimentiere auch damit, Klienten meines 3-h-Coachings zur Vor- und Nachbereitung kurze Beiträge per Mail zu schicken.
    Da ich diese Videoflut überall persönlich nicht leiden kann, tendiere ich auch mehr zu Audio-Inputs, zumal diese viel einfacher herzustellen sind – und besser zu konsumieren für den Nutzer.

  7. Hallo Marit,
    vielen Dank für deinen inspirierenden Podcast.
    An dieser Stelle will ich gern den Tipp des Podcasters Christian Müller weitergeben: Audios erhalten mit dem kostenlosen Bearbeitungsprogramm https://auphonic.com eine noch bessere Qualität. Es ist ganz einfach, man muss nur die von audacity erstellte MP3-Datei hochladen. Den Rest optimiert das Programm, bis zu 2 Stunden kostenlos im Monat.
    Viele Grüße
    Anja

    • Hallo Anja,

      super, danke für die Ergänzung! Ja, Auphonic ist wirklich sehr gut, das nutze ich mittlerweile auch für meine Podcasts.

      Herzliche Grüße
      Marit

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.