„Oh nein! Meine Produktidee hat schon jemand anders verwirklicht!“ – Oder: Wie Sie Konkurrenzdenken überwinden

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Jemand anderes ist Ihnen einen Schritt voraus und hat schon ein ganz ähnliches Angebot auf den Markt gebracht, wie das, was Sie gerade planen? Und deswegen zweifeln Sie an Ihrer Produktidee? Tun Sie das nicht. Besinnen Sie sich lieber auf die positiven Aspekte der „Konkurrenz“ am Markt, lösen Sie sich vom Konkurrenzdenken und arbeiten Sie Ihre einzigartigen Vorteile noch besser für die Kunden heraus. So gewinnen alle.

Stellen Sie sich vor, Sie planen z.B. einen Videokurs aus Ihren Inhalten zu machen und arbeiten gerade mit Hochdruck daran, die Videos zu erstellen. Und dann… – stoßen Sie beim Surfen im Internet auf eine Website, auf der ein Videokurs für genau Ihr Thema und eine ganz ähnliche Zielgruppe beworben wird! Diese Website sieht auch noch richtig gut aus, das Angebot klingt überzeugend, der Referent wirkt kompetent und er scheint eine Menge „Follower“ zu haben. Uff! Dann ist es wohl besser, von der Idee mit dem Videokurs wieder abzulassen, oder?

Warum Sie jetzt erst recht weitermachen sollten:

Konkurrenzdenken lähmt – wenn Sie sich davon lösen, kommen Sie besser voran

Es gibt gute Gründe, warum es keinen Sinn macht, sich von ähnlichen Angeboten einschüchtern zu lassen, sondern diese eher zu begrüßen:

  • Wenn sich in einer thematischen Nische viele verschiedene Anbieter tummeln, ist das ein gutes Zeichen. Das spricht dafür, dass es hier nennenswerten Bedarf gibt, denn sonst hätte sich die Mehrheit der Anbieter schon wieder umpositioniert.
  • Anbieter mit ähnlicher Ausrichtung sollten Sie nicht als „Mitbewerber“ ansehen, sondern eher als mögliche Kooperationspartner und als Mitstreiter bei der Erschließung Ihres Marktes. Wenn die Chemie grundsätzlich stimmt, ist es eine gute Idee, die Marketingaktivitäten zu bündeln oder sich zumindest gegenseitig zu unterstützen. Im Verbund gelingt es viel besser, potenzielle Interessenten auf das Thema im Allgemeinen und auf die vorhandenen Angebote im Speziellen aufmerksam zu machen.
  • Ein scheinbares Konkurrenz-Angebot ist ein guter Anlass, die eigene Positionierung zu schärfen und sich seiner speziellen Ressourcen(kombination) bewusst zu werden. Das stärkt das Selbstbewusstsein, was wiederum gut für Ihren Marktauftritt ist. :)

Kennen Sie Ihre „unfairen Vorteile“ im Vergleich zu anderen?

Pat Flynn von The Smart Passive Income Blog hat in seinem sehr lesenswerten (allerdings langen) Artikel 7 verschiedene Typen von „unfair advantages“ aufgeführt: Are You Taking Advantage of Your Unfair Advantage? (7 Examples). Gemeint sind bestimmte besondere Eigenschaften und/oder Ressourcen, die in einer Nische niemand sonst hat. Oft geht es ja insbesondere um eine Kombination dieser Vorteile, so dass ich auch den englischen Begriff „Secret Sauce“ sehr passend finde.

Sich diese Ressourcen explizit bewusst zu machen, hilft dabei, das Konkurrenzdenken zu überwinden und sich stattdessen mit voller Energie auf den eigenen Weg zu konzentrieren. Hier die 7 Beispiele aus Pat’s Artikel (frei übersetzt):

1 Ihr Adressbuch – Die Menschen, die Sie kennen

Wen kennen Sie, den andere in Ihrer Nische nicht oder nicht so gut kennen? Zu welchen Personen haben Sie einen guten Kontakt, der als Multiplikator dienen kann oder der Sie mit unterstützenden Menschen ins Gespräch bringen kann?

Gemeint sind hier z.B. Kontakte zu Medien-Verantwortlichen, zu Entscheidern in Unternehmen, zu Wissenschaftlern oder anderen Experten, die für Ihre Zielgruppe interessant sind.

Diesen Vorteil können Sie sehr gut pro-aktiv stärken, indem Sie auch branchenübergreifend netzwerken und Kontakte pflegen und einfach generell offen sind für fruchtbaren Austausch.

2. Ihre Erfahrungen – Was Sie erlebt haben

Das betrifft meiner Meinung nach zweierlei: Zum einen sind es die Erfahrungen, die Sie speziell qualifizieren für diese Form der Beratung oder des Trainings. Wer z.B. als Vertriebstrainer jahrelange eigene Vertriebserfahrung hat, hat definitiv einen Vorteil. Das sind die Arbeitserfahrungen, die Sie auf Ihrer „Über mich“-Seite sowieso benennen.

Dann gibt es noch einen zweiten Aspekt: Durch Ihren bisherigen Werdegang passen Sie besser zu bestimmten Zielgruppen als andere – selbst wenn diese Erfahrungen Sie nicht offenkundig für das qualifizieren, was Sie aktuell anbieten. Wenn Sie z.B. eine handwerkliche Ausbildung haben in einer Nische, in der sonst hauptsächlich Akademiker unterwegs sind, macht Sie das zu einem besonders guten Ansprechpartner für entsprechende Kunden.

Hier lohnt es sich also, auch nochmal genauer auf „versteckte“ Möglichkeiten der Positionierung zu schauen, die Sie aus der Masse herausstechen lassen.

3. Ihre Geschichte – Und warum Sie diese erzählen sollten

Ihre „Story“ meint den Weg, wie Sie zu dem wurden, was Sie heute sind. Oft stecken ja gerade bei Coaches, Trainern und Berater bewusste Entscheidungen dahinter, z.B. eine gut laufende Karriere hinter sich zu lassen, um sich selbständig zu machen.Was war der Anlass für Ihre Entscheidung? Welche schwierigen Phasen haben Sie schon durchgestanden? Welche Schritte sind Sie gegangen und wer oder was hat Ihnen dabei geholfen?

Jede Geschichte ist einzigartig und spricht unterschiedliche Kunden an. Und so kann es sein, dass der eingangs genannte „Mitbewerber“ mit dem Videokurs zu genau Ihrem Thema allein durch seinen Erfahrungshintergrund, seine getroffenen Entscheidungen und seinen bisherigen Weg ganz anders auf potenzielle Kunden wirkt als Sie es tun.

4. Ihre Power – Wie viel Sie investieren und wie

Einer der wesentlichen Vorteile gegenüber anderen kann die Energie sein, die Sie in die Verwirklichung Ihres Vorhabens stecken. Ich bin überzeugt: mit überdurchschnittlichem Einsatz erreicht man auch überdurchschnittlich viel. Blinder Aktionismus hilft nicht sehr weiter, aber ein Ziel mit großer Energie und vor allem Durchhaltevermögen zu verfolgen, wird definitiv dazu beitragen, dass Sie sich abheben. Vor allem wenn Sie dranbleiben, auch wenn es nicht im ersten Anlauf gleich perfekt gelingt, lassen Sie schon viele andere hinter sich, die nach einem einzigen Versuch aufgeben.

Wenn Sie dann noch einen Kommunikationskanal zum Kunden innerhalb Ihrer Nische finden, in dem sich andere noch fast gar nicht bewegen, z.B. indem Sie Podcasts produzieren zu einem Thema, zu dem es sonst überwiegend schriftliche Informationen zu finden gibt, dann wird sich Ihr Engagement nochmal mehr auszahlen.

5. Ihre Persönlichkeit und Ihre Fähigkeit, sich mit anderen zu verbinden

Das ist eigentlich banal – aber genau deswegen wichtig, betrachtet zu werden: Sie zeichnen sich durch bestimmte Charaktereigenschaften aus, die andere nicht haben (logischerweise). Wenn Sie stimmig zu Ihrer Persönlichkeit auftreten und es schaffen, die richtigen Menschen anzuziehen, die zu Ihnen passen, dann ist das ebenfalls ein „Vorteil“. Naja, man könnte auch sagen „Zu jedem Topf passt ein Deckel“ – aber sich dieser Persönlichkeitseigenschaften bewusst zu sein und diese in die Kommunikation mit den Kunden und Interessenten einzubringen, wird dazu beitragen, sich auf besondere Weise zu positionieren.

Ich persönlich habe zum Beispiel das Gefühl, erst, seit ich zu meiner pragmatischen, lockeren und „leichtfüßigen“ Art zu arbeiten öffentlich stehe, ziehe ich die richtigen Kunden an. Diese profitieren genau von dem, was ich geben kann und wollen eben  deswegen nicht von anderen Beratern mit ähnlicher Ausrichtung beraten werden. Vorher hatte ich jahrelang versucht, mich in der „seriösen Businesswelt“ anzupassen und hatte öfter das Gefühl, mich für meine Kunden verbiegen zu müssen.

6. Ihre Fähigkeit hinzuhören, etwas aufzubauen, zu messen und daraus zu lernen

Auch die Bereitschaft, sehr bewusst die eigenen Aktionen auf Wirksamkeit zu überprüfen und daraus für folgende Schritte zu lernen kann ein „unfairer Vorteil“ am Markt sein. Denn viele tun dies nicht systematisch (ich auch nicht, muss ich zugeben) und hier liegt eine gute Möglichkeit, genau die richtigen Marktlücken zu finden und dahin zu gehen, wo sonst noch keiner ist.

7. Ihre Spezialisierung – Wem Sie voranhelfen und warum Sie das können

Ich würde meinen, die Kombination aus den vorgenannten Punkten, also die „Secret Sauce“, die jeder Unternehmer hat, macht letztlich die Spezialisierung, also das unverwechselbare Profil aus. Was Pat Flynn hier meint ist aber, dass man sich durch sehr enge Spezialisierung ebenfalls einen Vorteil am Markt verschaffen kann. Wo viele andere als Spezialisierung z.B. „Rhetoriktraining“ nutzen, hat derjenige in einer Teilnische einen Vorteil, der sich auf „Besser reden lernen für Vereinsvorstände“ konzentriert.

Doch ich persönlich denke, dass Sie diesen Spezialisierungs-Gedanken nicht so sehr auf sich selbst als Person sondern vielmehr auf Ihre Produkte und Programme übertragen sollten: Wenn Sie den eingangs genannten Videokurs ein wenig spezieller zuschneiden, heben Sie sich von dem gefundenen anderen Kurs allein schon dadurch davon ab und haben in dieser Teilzielgruppe eine bessere Chance, hier besser wahrgenommen zu werden und auch zielgerichteter zu werben.

 

… das waren die 7 verschiedenen Möglichkeiten, in einer Nische als Anbieter besonders hervorzustechen. Sie sehen, es geht nicht darum, höher, schneller und weiter als die Mit-Anbieter zu sein. Es geht vielmehr darum, sich seiner Einzigartigkeit bewusst zu werden und manchmal bewusst andere Wege zu suchen, als andere sie gehen.

Ich hatte diesen hier zitierten Artikel mal in einer Phase gefunden, in der ich sehr an meinem Geschäftsmodell zweifelte – und fand ihn enorm hilfreich. So offensichtlich es ja eigentlich ist: „Jeder ist einzigartig, daher gibt es eigentlich keine Konkurrenz“ – so schwer fiel es mir, mich voll und ganz auf diese Denkweise einzulassen. Mittlerweile kann ich glaube ich hinter einige der genannten Punkte einen Haken machen und sagen: Ja, diesen Vorteil nutze ich – auf eine Weise, die zu mir passt. Platz für Wachstum ist aber noch vorhanden ;)

Wie ist das bei Ihnen? Hat Ihnen der Artikel gefallen und vielleicht ebenso weitergeholfen wie mir vor einiger Zeit? Schreiben Sie mir und lassen Sie uns diskutieren – ich freue mich wie immer drauf!

Herzliche Grüße

Marit Alke

P.S: Pat Flynn hat über 69.000 Follower auf Twitter, über 40.000 auf Facebook – ist das nicht irre? :) Sein Smart-Passive-Income-Blog und der dazugehörige Podcast-Kanal sind aber auch wirklich inspirierend – gucken Sie mal rein.

 

9 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. tolles thema, marit!
    genau das ist es, was ich immer höre: „aber das machen doch schon andere“.
    das geniale ist ja, wie du schon schreibst, dass jeder sich selbst als alleinstellungsmerkmal mitbringt. das funktioniert aber nur, wenn du bei deiner online-präsentation authentisch bist und eben nicht versuchst, wie deine „marktbegleiter“ zu sein. nur so differenzierst du dich, obwohl du „das gleiche“ produkt anbietest…
    deswegen wieder ein pat flynn zitat: „be everywhere“ und das authentisch!

    • Hallo Frank,

      ja, da stimme ich zu, was den authentischen Auftritt angeht. Gerne auch ein wenig um die Ecke denken und neue Ideen generieren statt alles abzugucken.

      Nicht ganz so gut übertragbar auf unsere Situation finde ich das Zitat von Pat Flynn „be everywhere“. Damit gemeint ist, dass er sowohl einen Videokanal als auch ein Podcast hat, bloggt, überall Interviews gibt und auf Veranstaltungen auftritt.

      Sein Geschäftsmodell basiert auf der Weiterempfehlung von Produkten und Programmen (Affiliate-Marketing) und da ist nur folgerichtig, dass sein wichtigstes Ziel ist, soviele Menschen wie möglich auf seine Plattformen zu ziehen. Das ist aber für die meisten normalen Berater und Trainer schlichtweg „überkandidelt“ und erzeugt nur unnötigen Druck (überall vertreten sein zu müssen). Ich plädiere da eher für ein „Sei auf einem oder wenigen Kanälen – dort aber konsequent“

      Viele Grüße
      Marit

      • stimmt, marit. für die meisten trainer/coaches/berater wäre das echt zu heftig.
        für den, der vorrangig sein coachingprogramm verkaufen möchte, wäre es aber wieder eher eine realisierbare strategie auf xing, twitter, facebook, blogs, youtube, google+ präsent zu sein.
        und wenn es nur dazu ist, auszutesten, wo sich deine zielgruppe aufhält oder wo/wie sie deine inhalte konsumieren will. pat flynns google+ account ist seit einem jahr auch fast verwaist. dafür gehen facebook/twitter& co. richtig vorwärts.
        das zieht er also selber nicht dauerhaft durch (was ohne outsourcing eh nicht durchhaltbar ist)…

  2. Ich denke gerade über mein neues Produkt nach (wie wir es gestern besprochen haben) und umso mehr ich ins Detail gehe, komme ich in genau diese Gedankenschleife von „Ist das wirklich eine gute Idee? Ich bin doch nicht die erste… blablabla.“

    Da sehe ich auf facebook Deinen Artikel und nach 4 Minuten lesen bin ich wieder auf meinem Weg. Danke Marit!

    • Hallo Christina,

      das ist ja super!! Toll, wenn es so perfekt passt mit meinen Botschaften ;) Freue mich über deine Rückmeldung. Bleib dran!

      Lieber Gruß
      Marit

  3. Hallo Marit!

    Mal wieder ein astreiner Artikel und ich kann nur zustimmen: Diese Gedanken sind mir nicht unbekannt.

    Was passiert denn, wenn ich IDENTISCHE Produkte abliefere, oder wie eine Kopie wirke!
    Das Ding ist: Wenn ich nicht absichtlich versuche zu kopieren, dann werde ich auch keine Kopie sein, DENN…

    …ich bin mit meinen Fähigkeiten, meiner Historie und Erfahrungen einzigartig!

    Folgendes stammt von einem Gast bei einem Video von Derek Helpern und sie sagte: „Was wäre gewesen, wenn nach dem ersten italienischen Restaurant kein zweites mehr eröffnet hätte?! Ich habe in meinem Umfeld vier italienische Restaurant und ich liebe jedes einzelne von ihnen!“

    Vielfalt ist keine Gefahr, sondern eine Bereicherung!

    Apropos Bereicherung: Derek Helperns Podcasts und Videos kann ich wärmstens empfehlen. Er ist ein waschechter New Yorker und das muss man mögen. Bei uns würde man sagen, er sei eine „Kodderschnautze“. :-)

    Hier der Youtube-Kanal: http://www.youtube.com/user/SocialTriggers

  4. Hi Gordon,

    danke für die Ergänzung und die Bestätigung! Das Beispiel gefällt mir super – das macht es so richtig schön bildlich. Denn wer von uns kennt nicht mindestens 2-3 gute Italiener…

    Viele Grüße
    Marit

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