[Interview] Kundenbeziehungen aufbauen während Sie schlafen – So geht planvolles Online-Marketing

Shailia Stephens

Muss ein Coach oder Trainer seine Klienten bzw. Teilnehmer vorher live getroffen haben, um gut online mit ihnen arbeiten zu können? Shailia Stephens-Würsig ist virtueller Coach und berät schon seit einigen Jahren ihre Kunden komplett über das Internet. Sie gibt in diesem Artikel Einblick in ihre Arbeit – und erklärt, warum die Kunden, wenn sie zu ihr kommen, meist schon vorher das Gefühl haben, sie schon lange zu kennen und ihr vertrauen zu können.

Shailia Stephens-Würsig ist mit ihrem Angebot „The Virtual Coach“ schon deutlich länger am Markt als ich es bin. Kein Wunder, Shailia ist gebürtige Amerikanerin und hat schon vor mehreren Jahren den Trend erkannt, den es im englischsprachigen Bereich schon viel länger gibt: Über das Internet mit Kunden zu arbeiten wird bald selbstverständlich zum Alltag vieler Trainer, Coaches und Berater gehören. Und das eben nicht nur one-to-one, sondern auch in Online-Kursen und ähnlichen skalierbaren Angeboten. Außerdem hat Shailia für ihr Marketing von amerikanischen Internet-Unternehmerinnen viel gelernt und wendet einiges davon sehr konsequent und auch erfolgreich für ihr Business an.

Durch diesen Video-Blogbeitrag von Ihr, in dem sie (recht lang) dazu Tipps gibt, wie man einen Video-Blog aufbaut, bin ich auf die Idee gekommen, Sie mal zu Ihrer Marketing-Strategie zu interviewen:

Auch ich hatte übrigens, schon lange bevor ich Shailia letztes Jahr auf der Messe in Köln traf, das Gefühl, sie schon ewig zu kennen ;) . Ihre lockeren, unverkrampften Videos – und natürlich deren oft sehr inspirierenden Input – habe ich schon lange vorher verfolgt – es funktioniert also!

Ich möchte mit ihr in diesem Interview darüber sprechen, wie Sie es schafft, „Kundenbeziehungen aufzubauen, während sie schläft“, sprich: Ihr Marketing so planvoll anzugehen, dass es weitgehend automatisiert läuft und ihr wie von selbst passende Kunden zu ihr bringt.

Da stecken interessante Erkenntnisse drin:

Shailia, du arbeitest ja schon sehr lange rein online mit deinen Kunden. Neulich in deinem Videoblog-Beitrag (s.o.) hast du beschrieben, dass dir trotzdem sehr viele zurückmelden, dass sie das Gefühl haben, dich schon sehr lange zu kennen in dem Moment, in dem Sie anfangen, mit dir zu arbeiten. Wie kriegst du das hin?

Shailia StephensIch habe meinem Marketingplan schon Ende letztes Jahr für 2014 komplett ausgearbeitet, wo und wie ich wann Interessenten und bestehende Kunden erreiche und dabei setze ich auf extrem viele Touchpoints, also Berührungspunkte in der Kommunikation. Dazu gehört mein E-Mail-Newsletter, mein Blog, meine „Social Media“-Aktivitäten, meine „Shailia & Friends“-Aussendung (für besonders enge Freunde und Anhänger gibt es einen Brief per Post), meine öffentliche Webinar-Reihe (Die kann man sich hier ansehen), Live-Vorträge und vor allem: mein Videoblog.

Ich betreibe „intimes Marketing”, so nenne ich das in letzter Zeit. Was heißt das? Ich stelle mir vor, ich hätte einen bekannten Menschen vor mir, einen Freund, oder einen Kunden, mit dem ich eine sehr gute Beziehung habe. Und mit denen ist man stetig in Kontakt, über viele Wege. Und ich teile sehr viel von meinem Business-Wissen, von meinen Fachkenntnissen, aber auch von meinem persönlichen Leben.

Daher, wenn jemand dann wirklich zu mir kommt und sich für meine Angebote der Zusammenarbeit interessiert, egal ob Privat-Coaching oder Online-Trainings, kriege ich immer wieder das Feedback, dass sie das Gefühl haben, mich schon richtig gut zu kennen.

Damit widerlegst du ja das Vorurteil, das viele Coaches und Trainer haben, nämlich, dass man sich erst einmal „live” begegnet sein muss, bevor man „online” miteinander arbeiten kann. Das höre ich immer wieder und das ist für viele eine große Hürde, sich mehr ins Internet zu wagen.

Ja, das stimmt. Durch meine vielen Aktivitäten bin ich für viele schon sehr präsent, bevor sie sich entscheiden, mich für eine Beratung, ein Coaching oder ein Programm anzufragen.

Aber: Selbst wenn sie all diese Dinge nicht gesehen haben, bin ich fest davon überzeugt, jedes Mal auch online schnell eine gute Beziehung und Vertrauen herstellen zu können. Meine Marketing-Maßnahmen sind sehr hilfreich, aber nicht kriegsentscheidend, wenn es darum geht, Vertrauen zu Klienten und Teilnehmern – und damit eine gute Basis für die Zusammenarbeit – aufzubauen.

Coaches und Trainer, die das in einem Präsenz-Seminar oder einem Präsenz-Coaching gut können – schnell Vertrauen aufzubauen zu ihrem Gegenüber – werden auch in der Lage sein, das online zu tun! Es ist alles eine Frage der Einstellung, es ist ein überwindbarer Glaubenssatz, dass man “virtuell” weniger intensiv zusammenarbeiten kann als “live”.

Was rätst du denjenigen, die dein Vorgehen inspirierend finden und sich gerne das eine oder andere abschauen möchten?

Ganz wichtig ist: Wenn sie erwägen, den Vertrauensaufbau vorab zu unterstützen, zum Beispiel durch regelmäßige Video-Blogbeiträge („VLOGS”), was ich sehr empfehlen kann, dann sollten sie genauso auftreten, wie sie auch als Person auftreten. Ich habe schon oft beobachtet, dass Leute in Marketing-Videos zu “anzugmäßig”, zu perfekt und zu glatt ‘rüberkommen – so wie sie im Direktkontakt nie wären. Am besten (und am einfachsten) ist es, dabei voll und ganz authentisch zu sein.

Außerdem ist für mich ganz wichtig: Marketing ist kein „Add-on“ zu meinem Business, sondern das das Herzstück meines Geschäfts. Ich habe alle meine Marketing-Aktivitäten genauso fest und mit genauso großer Priorität in meinem Jahresplan verankert wie Kundengespräche und andere wichtige Termine. Das ist die innere Haltung, mit der ich es schaffe, so diszipliniert und kontinuierlich sichtbar zu sein im Internet.

Was dir ja auch gut gelingt! Ich habe Gefühl, ständig mit dir im Dialog zu sein und schätze sehr, dass du mich mit deinen Inhalten immer wieder inspirierst. Gleichzeitig finde ich noch interessant für meine Leser, dass sich dein Geschäft – letztlich durch dein aktives Marketing – ja auch gerade ein wenig wandelt. Kannst du dazu noch etwas erzählen?

Ja, gerne. Ich habe selbst in den letzten Jahren schon zweimal ein Programm angeboten, das deinem aktuellen „mein-erstes-coachingprogramm.de“ sehr ähnlich ist. Beide Male hat das „Online Mastery“-Programm mir viel Spaß gemacht und gut geklappt. Ich hatte jeweils 10 Teilnehmer und ich merke heute, dass viele von denen das im Programm erarbeitete mit in ihr Angebot aufgenommen haben. Das war also erfolgreich.

Das Programm war zugeschnitten für selbständige Coaches, Trainer und Berater. Interessanterweise habe ich durch die ganzen Marketing-Aktivitäten für das Programm auch das Interesse von großen Unternehmen geweckt.

Bei denen ist der Fokus natürlich nicht so sehr auf Online-Marketing, was im „Online-Mastery“ einen großen Stellenwert einnahm, sondern die wollten didaktische Hilfestellung und praktisches Training für ihre Webinar-Vorträge. Die brauchen praktische Unterstützung für deren Präsenztrainer oder auch für Führungskräfte und Personalentwickler, die im Unternehmen MA führen und / oder coachen sollen.

Und so verändert sich mein Angebot gerade ein wenig, um den Bedürfnissen meiner Unternehmens-Kunden besser gerecht zu werden. Das ist wirklich spannend. So transformiert mein Online-Marketing gleichzeitig mein Business – und ich kann selbst entscheiden und lenken, wen ich zukünftig vermehrt oder weniger ansprechen will.

Danke, Shailia, für diesen Einblick in dein Business und deine Tipps! :)

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Wie schon gesagt – mich inspiriert das Vorgehen von Shailia Stephens-Würsig immer wieder sehr. Manchmal ist es mir – ehrlich gesagt – ein klein wenig zu offensiv, da kommen dann wohl ihre amerikanischen Wurzeln durch ;) . Aber sie ist ja sehr erfolgreich damit und oft ausgebucht – es scheint also für sie gut zu funktionieren. Letztlich muss jeder seinen eigenen Weg im Online-Marketing finden. Dass eine funktionierende Online-Marketing-Strategie erfolgsentscheidend für uns Produktentwickler ist, wissen wir ja :) .

An Shailias Beispiel kann man gut sehen, wie eine Professionalisierung des Online-Marketings nach einigen Jahren des „Herumprobierens“ und Agierens am Markt aussieht: Sie geht mittlerweile sehr planvoll an alles heran und lässt sich nicht von Launen und kurzfristigen Ideen leiten (wie ich es z.B. noch oft tue ;) ). Das mag man mögen oder nicht – ich finde das spannend zu beobachten, wohin sich das entwickeln kann.

Gerade bei dem Thema “Ich selbst vor der Video-Kamera” haben doch einige noch echte Hemmungen – und ich finde die Videos von Shailia schon lange sehr Mut machend, weil sie so wunderbar natürlich sind. Es ist immer fast wie ein kleines Gespräch, das sie mit einem führt. Vielleicht ermuntert das ja den einen oder anderen von Ihnen dazu, ebenfalls dieses Instrument zu nutzen, um “Kundenbeziehungen aufzubauen, während Sie schlafen”?! Ich jedenfalls bin motiviert dazu, dieses Instrument mittelfristig mit aufzunehmen in meinen Kanon aus Marketingmaßnahmen.

Was nehmen Sie mit aus diesem Interview? Welche Fragen und Ergänzungen haben Sie? Nutzen Sie wie immer gerne den Chat, um sich hier auszutauschen. Ich freue mich drauf!

Herzliche Grüße

Marit Alke